Energie

Warum das Stromausfall-Risiko bis 2035 stetig steigt

Warum das Stromausfall-Risiko bis 2035 stetig steigt


Die sog. Energiewende hin zu immer mehr erneuerbaren Energien ist als zukunftsweisende Idee mit Sicherheit für keinen Menschen unsympathisch. Nur hängt diese Idee, wie alles im Leben, an gewissen Prämissen, die gemeinhin Ressourcen bedingen, die da sein müssen. Anders macht es keinen Sinn, zumal in einer modernen Gesellschaft/Zivilisation Strom die Basis all dessen ist, was eben diese Gesellschaft/Zivilisation ausmacht.

Strom ist nicht nur Licht und Wärme, sondern auch Telekommunikation, Internet, Wasserver- und -entsorgung (via Pumpen!), Verkehrsleitung, Warenproduktion (Versorgung) und Sicherheit. Ohne ihn, bricht in Ballungszentren innerhalb von Stunden alles zusammen. Und das ist keine böse Annahme, sondern ein real existierendes Problem. Daher sollte die bloße Annahme schon zu Besorgnis führen. Eigentlich Angst machen, wenn man die Konsequenzen betrachtet.

Am 8. Januar 2021 stand Europa als Gesamtes kurz vor einem schweren Blackout. Das ist kaum bekannt.

Erneuerbare Energien (Wasser-, Wind-, Sonnen- und Thermalkraftwerke) sind von ihrer Verfügbarkeit her mit Prämissen verbunden, die gerade für ein Industrieland mit hoher Bevölkerungsdichte aufgrund des immensen Energiebedarfs entscheidend sind.
Unsere Hauptwasserstrassen sind Transportwege und nicht für die ergiebige Stromerzeugung geeignet. Thermalkraftwerke sind auch nur als Kleinanlagen möglich. Aus diesem Grund wird der Fokus hierzulande auch auf Wind- und Solarstrom gelegt.
Doch während Wasser- und Thermalkraftwerke eher ständig Strom liefern könnten, ist das bei Sonnenenergie nur tagsüber und bei Windenergie nur ab und bis zu gewissen Windstärken möglich. Bei zu starkem Wind müssen Windräder vom Netz gehen.

In solchen Fällen müssen dann andere vom Wetter unabhängige Kraftwerke sofort ans Netz gehen, um diese Spitze abzufangen. Ergo müssen sie SOFORT betriebsbereit da sein. Nicht erst angeheizt und hochgefahren werden. Dafür waren Gaskraftwerke da.

Natürlich bedarf es auch einer Grundlast, die immer und überall da sein muss. Unabhängig von dem, was Sonne und Wind liefern können. Hierfür waren in den 70er Atomkraftwerke gedacht, die aber – quasi über Nacht – dann abgeschaltet wurden.

Es wird postuliert, dass Sonne und Wind immer da sind und bei gegebener hoher Ausbaudichte auch immer Strom liefern könnten. Doch Solar- und Windkraftwerke sind von zugehörigen Wetterbedingungen abhängig, die ganze Regionen betreffen. Bei Sonnenergie reicht schon die Nacht um Null-Komma-Null Watt zu produzieren. Und wenn hier dann noch Windstille oder Sturm hinzukommt, dann wird insgesamt Null Watt produziert. Flächendeckend und unabhängig wieviel diese so betroffene Gesamtfläche theoretisch Strom produzieren könnte.

Somit steigt mit jeder weiteren Zunahme erneuerbarer Energien im Energiemix bei gleichzeitiger Abnahme konventioneller und nuklearer Kraftwerke (hier allein Reduzierung um 8 Gigawatt) das Ausfallrisiko stetig an, zumal die erneuerbare Energie in der Fläche nicht gleichverteilt ist.
Der Süden Deutschlands auf Zulieferung vom Norden angewiesen ist.
Unnötig zu erwähnen, dass die dafür aus dem Norden geplanten Leitungen weder zum geplanten (2022) noch zum vorgezogen und realisierten Zeitpunkt des Atomstromausstieg fertig waren oder werden.
Dafür sorgen gewisse Bürgerinitiativen, die eben diese Stromtrassen auch nicht wollen; somit die Versorgungsunsicherheit im Süden Deutschlands gravierend ist. Eigentlich nur durch Zukäufe von Atomstrom aus dem Ausland bewältigt werden können.
Schon jetzt ist hier eine völlige Unterdeckung der gesicherten Stromproduktion gegeben.

Spätestens hier wird es also irrwitzig, paradox oder schizophren!

Wie kommt es eigentlich zu Blackouts?

Als Grundsatz: Es muss im Stromnetz zu jedem Zeitpunkt genau so viel Elektrizität erzeugt werden, wie nachgefragt wird.

Zum Blackout kann es dann kommen, wenn dieses Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch gestört wird.

Das passiert zum Beispiel durch:

  • Netzstörungen
  • Kraftwerksausfälle
  • Marktmanipulationen
  • plötzliche Nachfragespitzen
  • plötzliche Leistungsspitzen

Bewusste terroristische oder „aktivistische“ Anschläge lassen wir hier einmal aus, auch wenn hier zusätzliche Risiken via der Radikalisierung gewissen Szenen (FFF,…)  zu erwarten ist. Es seien nur die Brandanschläge auf Kabelstränge in München und Brandenburg erwähnt, die dann Blackouts zur Folge hatten.

Dank der Reservekraftwerke im Stromnetz reicht ein einziges Ereignis normalerweise nicht aus, um einen Blackout hervorzurufen. Erst das Zusammenkommen mehrerer – auch kleinerer – Ursachen führt zu einem Stromausfall.
Vorhersehbar oder gar erkennbar wird ein drohender Blackout an der schwankenden Frequenz im europäischen Verbundnetz. Je mehr das Gleichgewicht gestört ist, desto mehr weicht diese Frequenz von 50Hz ab.

Wenn einer zu hohen oder zu niedrigen Netzfrequenz im Verbundnetz nicht schnell entgegengewirkt wird, schadet das der Infrastruktur. Dadurch können sich Teilnetze abkoppeln und/oder Stromerzeuger ausfallen – vom Netzt gehen. Es kommt zu einem Dominoeffekt, der sich kaskadenartig ausbreiten kann.

Wenn der Strom deutschlandweit ausfällt, kann es zur Wiederherstellung der Stromversorgung im europäischen Verbund Wochen dauern.
Die Schadenssummen und Zahlen der wahrscheinlichen und absehbaren Todesopfer wären immens hoch.

Für die erhöhte und weiter steigende Blackout-Gefahr in Deutschland gibt es sechs hauptsächliche Risiken, die im weiteren Artikel beschrieben werden.

Wie entsteht das Grundszenario für einen Blackout?


Die gesicherte Leistung von Solarstrom ist null, weil nachts keine Sonne scheint.
Die gesicherte Leistung von Windkraft ist nahezu null, weil eine Flaute meist ganz Deutschland oder größere Regionen betrifft.

Wenn sowohl Wind- als auch Solarenergie ausfallen spricht man von einer Dunkelflaute. Es reicht also schon aus, wenn nachts zusätzlich zum Sonnenlichtausfall kein Wind weht.

Bekanntermaßen können an grauen Wintertagen solche Dunkelflauten mehrere Tage oder sogar Wochen dauern. Und Schnee auf Kollektoren ist auch tagsüber nicht für die Stromproduktion als förderlich anzusehen. Dazu frieren Windturbinen ein oder vereisen.
Zusammengenommen entspricht das einem sehr hohen Blackout-Risiko.
Das ist dann auch im Verbundnetz von Europa zu sehen, da der Winter kein lokales Phänomen ist…

Egal wie viel Solar und Wind man zubaut, es muss immer einen konventionellen Kraftwerkspark als Backup geben. Der muss die maximale Spitzenlast in voller Höhe und jederzeit bewältigen können. Auch und gerade während einer sog. und durchaus spontan auftretenden Dunkelflaute.

Durch Atomausstieg und Kohleausstieg wird in den nächsten Jahren aber ein Großteil dieser sicheren Kapazität vom Strommarkt genommen: 

  • bis 2023 -12 GW
  • bis 2030 -25 GW
  • bis 2039 -42 GW

(kumuliert)

Am Ende des Jahres 2020 wurden bereits fast 5 GW Kapazität in der ersten Ausschreiberunde zum Kohleausstieg vom Netz genommen!

Einige dieser Kraftwerke mussten aber kurz nach dem Abschalten wegen mehrerer Dunkelflauten im Januar 2021 zeitnah reaktiviert werden, was damals noch möglich war, da der Rückbau/Stilllegung noch nicht begonnen hatte.

Aktuell gibt es noch 91 GW gesicherte Leistung in Deutschland. Bis 2023 wird aber die gesicherte Kapazität auf 82 GW fallen. Das entspricht genau der heute zu erwartenden Spitzenlast von rund 82 GW. Wenn wirklich alle Kraftwerke auch verfügbar sind, würde das gerade noch reichen. Wartungs- und Instandsetzungsintervalle oder gar Störungen einmal völlig unberücksichtigt.

Bis 2035 sieht der heutige Netzentwicklungsplan nur noch eine gesicherte Leistung von 62 GW vor. Demgegenüber steht dann eine durch Sektorkopplung (s.u.) erhöhte Spitzenlast von 106 GW. Die Versorgungslücke beträgt also dann bereits 44 GW.

Es wird also klar, dass wir ohne ausländischen Strom schon rechnerisch und unter optimalen Gesichtspunkte nicht auskommen werden. Wir Strom also zukaufen müssen.
Und was diese Zahlen auch nicht hergeben, und die Recherche war umfangreich, ist der wachsende Strombedarf durch die geförderte und gewollte E-Mobilität und den Umstand, dass bis 2024 bis zu 40% der älteren Windkraftanlagen ihre Betriebserlaubnis verlieren werden. Diese Anlagen auch nicht an alter Stelle erneuert werden können, da sich die Gesetzgebung für den Bau geändert hat und viele aktuelle Standorte geschlossen werden müssen!



Ergo hängt alles an der Frage:

Wie sieht es mit dem Stromtransport in Deutschland aus?

Selbst 82 GW gesicherte Leistung bei 82 GW Spitzenlast deutschlandweit reichen nur auf dem Papier. Wenn in Schleswig-Holstein Reserven vorhanden sind, die in Bayern gebraucht werden, gibt es dann überhaupt ausreichende Leistungen, um den windaffinen Norden mit dem stromunterversorgten Süden zu decken?

In Süddeutschland gibt es schon heute eine Versorgungslücke von 10 GW, die durch Importe aus Norddeutschland und Nachbarländern gedeckt werden muss.
Mit dem Atomausstieg wächst diese Versorgungslücke bis 2023 auf 16 GW; mit dem Kohleausstieg bis 2035 sogar auf 27 GW.

Entscheidend für die Versorgung von Nord- nach Süddeutschland ist also der zeitnahe Netzausbau, insbesondere die geplanten Nord-Süd-Trassen mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ):

  • Ultranet zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (statt Kernkraftwerk Philippsburg)
  • Südlink 1 zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg (statt Kernkraftwerk Neckarwestheim)
  • Südlink 2 zwischen Schleswig-Holstein und Bayern (statt Kernkraftwerk Gundremmingen)
  • Südostlink zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern (statt Kernkraftwerk Isar)
  • A-Nord zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen


Der Bau dieser Stromautobahnen sollte eigentlich bis 2022 fertiggestellt sein, also rechtzeitig zum Atomausstieg. Der Ausbau ist aber wegen der vielen Bürgerklagen um Jahre verzögert. Ein Ende der Prozesse nicht abzusehen.

Wenn die fünf neuen Trassen fertig werden, könnten sie jeweils Strom mit 2 GW Leistung transportieren. Ein Tropfen auf den heißen Stein, da diese Leistung noch nicht einmal die nach Fukushima eiligst abgeschalteten Atomkraftwerke zu ersetzen. Von wachsendem Bedarf durch E-Mobilität gar nicht zu reden!

Es kommt zu einem wenig kalkulierbarem Klumpenrisiko bei Blackouts!

Man stelle sich vor, alle Kohlekraftwerke würden unerwartet und gleichzeitig ausfallen.
Was unmöglich klingt und kaum anzunehmen ist, ist bei Wind- und Solarenergie eine ständiges und alltägliches Risiko. Bilden so ein enormes Klumpenrisiko für die Stromversorgung.

Das Klumpenrisiko von Solar & Wind war ein Hauptgrund für die Blackouts in Kalifornien in 2019. 

Wenn ein konventionelles Kraftwerk unerwartet ausfällt, sind das selten mehr als 1 Gigawatt wegfallender Leistung. Wenn der Wind hingegen unerwartet schwach oder stark bläst, dann kann eine plötzliche Leistungsdifferenz von etlichen Gigawatt auftreten, da das Ereignis nicht singulär sondern flächendeckend und umfänglich ist.
Selbst eine über Deutschland ziehende Wolkenfront sorgt für einen deutlichen kurzfristigen Spannungsabfall beim Solarstrom, der abzufedern ist.
Dies alles unter dem Gesichtspunkt, dass es keine Überhangreserven mehr gibt und auch im Ausland der Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix stetig steigt, und somit die Betroffenheit auch ein gesamteuropäisches Klumpenrisiko ausbildet.

Netzbetreiber müssen häufig eingreifen, um Leistungsrampen der fluktuierenden Erneuerbaren auszugleichen. Die Gesamtarbeit dieser sogenannten Redispatches hat sich seit 2010 etwa verzehnfacht. Von anfänglichen  1.758 GWh auf 15.643 GWh heute.
Seit 2014 haben sich die dazu regulierenden einzelnen Netzeingriffe verdreifacht. Sie steigen also in Menge und Maßstab steil an.

Mit einem weiteren Zubau von Wind- und Solaranlagen wird man daher folgerichtig auch öfter und umfangreicher nachregeln müssen.

Eigentlich sollte sich dieses Einspeisemanagement in der ursprünglichen Theorie positiv auf die Versorgungssicherheit auswirken. Leider zeigt das in den letzten Jahren angeschwollene Volumen aber, wie essentiell die Korrekturen inzwischen geworden sind, um das Netz überhaupt und dauerhaft stabil zu halten zu können! Aus einer Art Notfallwerkzeug wurde ein Dauerinstrument.

Leider kann dabei, wie bei allen Korrekturen auch,  jeder Redispatch für sich auch eine Fehlerquelle sein, die dann selbst zum Auslöser für einen Blackout werden kann. Als der sprichwörtliche Tropfen, der das „(kollabierende) Fass zum Überlaufen bringt“.


Wie trägt die Regelenergie zum Blackout-Risiko bei?

Nicht nur zu wenig Solar- und Windenergie machen Probleme, auch wenn zu viel Solar- und Windstrom im Netz sind, leidet die Versorgungssicherheit. Solaranlagen und Windräder stellen nämlich keine sog. Regelenergie bereit.

Technisch gesehen haben konventionelle Kraftwerke riesige Schwungmassen in ihren Turbinenhallen, die das Netz stabilisieren. Die großen rotierenden Massen sind synchron mit der Frequenz des Stromnetzes gekoppelt und arbeiten deshalb automatisch gegen Frequenzänderungen an.
Sie laufen also einfach ausgedrückt ständig rund, während der Wind das Rad je nach Stärke schnell oder mal langsamer antreibt.

Je mehr Wind- und Solaranlagen am Netz sind, desto mehr stabilisierende Schwungmassen ausrangierter konventioneller Kraftwerke fehlen. Die Netzfrequenz wird durch den Wegfall dieser sogenannten Momentanreserve störanfälliger. Das Blackout-Risiko steigt.
Im August 2019 kam es in Großbritannien zu einem schweren Störfall mit rollierenden Blackouts, weil bei einem Stromanteil von rund 65% Windenergie zu wenig Momentanreserve im Netz war.

In Zukunft können Batteriespeicher Regelenergie für Wind und Solar bereitstellen. Durch die immensen Kosten für solch riesige Akkus, die in der Lage sind Stromnetzte wirklich abzusichern, sind solche netzerhaltende Baumaßnahmen aber eher selten anzutreffen.
In Australien brannte kürzlich so ein Megaspeicher. Die Ausfallrisiken und Gefahrenherde gleichen auch hier den bekannten Risiken von Auto-Akkus. Nur exponentiell in der Schadenswirkung gesteigert.

Aktuell kommt es noch eher vor, dass konventionelle Kraftwerke wegen ihrer Schwungmasse durchlaufen, obwohl ihre Leistung gar nicht gebraucht wird. Aber das ändert sich mit jedem abgeschalteten Kraftwerk zum Schlechteren hin.


Warum ist die Sektorkopplung eine weitere Gefahr?

Laut Netzentwicklungsplan wird im Jahr 2035 die Spitzenlast von heute 82 GW auf rund 106 GW anwachsen. Grund dafür ist die Sektorkopplung mit der fortschreitenden Elektrifizierung von Wärmesektor und Transportsektor.

In Zukunft werden wir anstatt mit Gas deutlich mehr mit Strom aus Wärmepumpen und Fernwärme heizen. Auch die Mobilität soll sich mehr auf elektrischen Strom verlagern. Dadurch wird sich der Stromverbrauch insgesamt verdoppeln bis verfünffachen.
Heizungen werden vor allem im Winter gebraucht. Und je kälter die Außentemperatur ist, desto weniger effizient sind Wärmepumpen. Der Spitzenverbrauch des Jahres wird also auf besonders kalte Wintertage fallen.

Kalte Wintertage tragen wiederum das höchste Risiko für eine mehrtägige Dunkelflaute. Das Zusammentreffen von niedriger Erzeugungsleistung auf hohe Nachfrage ist ein großes und absehbares Blackout-Risiko. Besonders für harte und lange Winter wie z.B. 2005/6.

Die Spitzenlast soll sich in Zukunft durch Lastmanagement senken lassen. Wenn Wind und Solar nicht liefern, sollen Verbraucher automatisch abgeschaltet werden.

Das Blackout-Risiko steigt durch smarte Verbraucher aller Art

Mit smarten Lösungen lässt sich der Verbrauch auf Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom verschieben. Gefriertruhe, Waschmaschine oder Pufferspeicher macht es zum Beispiel nichts aus einige Stunden früher oder später anzulaufen.

Durch diese intelligenten Verbraucher steigt allerdings die Vernetzung und Komplexität im Stromnetz. Das sogenannte Smartgrid ist störanfälliger als unser heutiges dummes Netzwerk. 

Es muss gar kein Terroranschlag per Hackerangriff (wie z.B. in der Ukraine) sein, um das Smartgrid lahmzulegen. Es reicht schon ein einfacher Softwarefehler, ähnlich einem Flash-Crash durch Algorithmen an der Aktienbörse.

Selbst der einfachste Software kann zu unerwarteten Konsequenzen führen im Gesamtnetzführen und einen Kaskadeneffekt auslösen, wie zum Beispiel bei der 50,2- und 49,5-Hertz-Problematik.
Das ist nicht nur hauptsächlich ein Problem auf Erzeugerseite, es ist genauso auf der Verbraucherseite denkbar und als Auslöser von möglichen Blackouts anzunehmen.


Haben wir genug Kraftwerksreserven, um solche Effekte zu kompensieren?

Ursprünglich sollten im Zuge der Energiewende mehr als 100 Gaskraftwerke in Reserve gesicherte Leistung bereitstellen. Dies sind die auch in der nationalen Wasserstoff-Strategie beschworenen Langzeitspeicher, die in ferner Zukunft mit wirklich sauteurem aber klimaneutralen Gas laufen sollen.

Aktuell können Gaskraftwerke nur insgesamt 27 GW Kapazität am Strommarkt in Deutschland bereitstellen. Das ist nicht einmal ein Drittel der bis 2035 benötigten gesicherten Leistung.
In den nächsten drei Jahren werden nur 2 GW Gaskraftwerke zugebaut und bis 2035 sind laut Netzentwicklungsplan insgesamt nur weitere 12 GW geplant. Das ist deutlich weniger Zubau als Rückbau durch Atomausstieg und Kohleausstieg.

Wegen der Genehmigungs- und Bauzeiten von 5 bis 7 Jahren müssten die bis 2030 benötigten Gaskraftwerke eigentlich längst in den Startlöchern stehen. Laut RWE und Uniper gibt es aber aktuell kein Geschäftsmodell um Gaskraftwerke profitabel oder auch nur Betriebswirtschaftlich neutral (auch als Backup-Lösung) zu betreiben. Und schon gar nicht mit dem o.g. klimaneutralem Gas, dessen betriebswirtschaftliche Bedeutung eher visionär als betriebswirtschaftlich machbar erscheint.

Versorgungssicherheit in Deutschland ohne staatliche Zuzahlung lohnt sich für am Markt arbeitende Unternehmen nicht. Sie wären dem Konkurrenzdruck so nicht gewachsen, denn jedes vorgehaltende und nicht laufende Kraftwerk verursacht genau die gleichen Grund- und Finanzierungskosten wie ein Strom produzierendes Kraftwerk.
Dazu kommt, dass diese Kosten an die Verbraucher wie KW/h weitergereicht werden müssen und der Verbrauchen letztlich zwei parallel existente Kraftwerkparks bezahlen muss.
Dieser Gedanke ist in die aktuellen Strompreise aber noch gar nicht eingepreist.

Kurzzeitspeicher wie Batterien/Akkus sind wegen ihrer viel zu geringen Kapazität nicht für gesicherte Leistung geeignet. Selbst Pumpspeicherkraftwerke haben zu wenig Kapazität. Zumindest als Absicherung für ein Industrieland mit 84 Millionen Menschen als Bevölkerung.


Brownout wie in Afrika als neue deutsche Lösung?

Gern verweisen wir wenn hier etwas schiefläuft auf Vergleiche mit den vielzitierten „afrikanischen Bananenrepubliken“, wo Sachen passieren, die hier undenkbar(!!) sind. Oder sein sollten.

Das letzte Mittel um bei Strommangel einen Blackout zu vermeiden sind Brownouts. Das sind erzwungene lokale und vorübergehende Lastabwürfe. Verbraucher werden einfach (zeitlich) vom Netz getrennt. Man spricht bei diesen bewusst in Kauf genommenen und herbeigeführten Stromausfällen auch von rollierenden Blackouts.

In Entwicklungsländern mit Strommangel sind Brownouts der Alltag. Jedes Kind kennt dort das Wort Brownout. Oder nennen es einfach Stromsperre…

Was in Entwicklungsländern erzwungen wird, soll in Deutschland erkauft werden. Schon heute werden große Industrieverbraucher dafür bezahlt bei Strommangel keinen Strom zu verbrauchen. Auf der Stromrechnung bezahlt der Verbraucher dafür die AbLastV-Umlage, nach der Verordnung zu abschaltbaren Lasten…

Neben Brownout war AbLastV-Umlage das vermutlich zweite neue Wort, das hier zu lesen war. Es lohnt sich wirklich die Stromrechnung einmal genauer zu hinterfragen, was da alles sonst noch an versteckten Umverteilungskosten drinsteckt.

Eigentlich sollte das neue Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz diese bezahlten Brownouts auch auf Privathaushalte erweitern; hier z.B. für E-Mobilität und Wärmepumpen. Das Gesetz wurde aber unverständlicherweise nach zwei Jahren Entwurfsphase im Januar 2021 zurückgezogen. Es darf angenommen werden, dass der politische Impakt vor der Wahl als zu bedeutend empfunden wurde, zumal die Energiepreise schon stark angezogen hatten.

Wenn es keine gesetzliche Grundlage für geplante Abschaltungen bei einzelnen (Groß-??)Verbrauchern gibt, wird es in Zukunft womöglich unkontrollierte und erzwungene lokale/regionale Brownouts geben. Mit all den damit einhergehenden Folgen für internetgesteuerte Prozesse in Versorgung (Wssser, Wärme,..)  und Kommunikation (Datenaustausch, Polizei, Rettung, Feuerwehr,…) bis hin zu Beleuchtung und Verkehrssteuerung. Und die auftauende Gefriertruhe ist da kaum das Problem, was vermutlich jetzt jeder im Kopf hat.
Ob das wirklich die bessere Alternative für die Stromrationierung der Zukunft ist?

Als Fazit kann man sagen, dass wir in interessanten Zeiten leben werden; nicht nur leben mögen, wie der chinesische Fluch aufzeigt.

Afrika wir kommen… – SIC!

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