Gesundheit

Nachts, wenn alles schläft…

(hm)

Leben mit dem „kleinen Bruder“ von Morbus Parkinson

Bewegungsdrang der Beine und Arme, weder ruhig sitzen noch ruhig liegen können.

So mancher denkt dabei sofort an ADHS, zu viel Coffein, zu viel Phosphat, zu viel Stress.

Es könnte aber auch das Restless-Syndrom sein, auch unter dem Syndrom der ruhelosen Beine (RLS) bekannt.

Die Tatsache, dass wir Restless-Kranke uns dabei prominenter Gesellschaft erfreuen können – Kaiserin Elisabeth von Österreich und ihr ebenso berühmter Cousin Ludwig II. von Bayern litten ebenfalls darunter – ist nicht wirklich ein Trost. Von Beiden ist bekannt, dass sie schlaflos durch ihre Gemächer wanderten, um ihrer Schmerzen Herr/Frau zu werden.  Andere Möglichkeiten gab es damals nicht.

Was steckt hinter diesem Restless-Syndrom?

Wie auch Morbus Parkinson ist das Restless-Syndrom eine cerebrale Dopaminmangel-Erkrankung.

Dieser Dopaminmangel führt zu Muskelschmerzen, von unangenehm bis unerträglich anschwellend, erst bei Bewegung nachlassend – um dann wieder einen neuen Anlauf zu nehmen.                        

Stundenlang, abends, nachts, immer dann, wenn Körper und Geist sich nach Ruhe sehnen.

Abendliche Kino- oder Opernbesuche mit angewinkelter Beinhaltung können eine Qual sein, wenn man nur auf das Ende wartet, um wieder dem erlösenden Bewegungsdrang nachgehen zu können.

Man unterscheidet verschieden schwere Verlaufsformen, der größte Teil der Erkrankten leidet unter milderen Symptomen und kommt ohne Medikamente zurecht.                                                                  

In der schweren Form ist der Körper nach einer Restless-Nacht ausgelaugt, kraftlos. Die Muskeln zittern und schmerzen wie nach einem Langstreckenlauf. Dazu kommt dann die Müdigkeit durch den Schlafentzug.

Die Auswirkungen des großen Bruders Parkinson fallen auf. Man erkennt die Krankheit, die ohne jeden Zweifel für die Betroffenen dramatisch ist. Parkinson Erkrankte verdienen und haben unser Mitgefühl.

Unsere „guten“ Nächte mit den permanenten kleinen Muskelbewegungen, die auf Dauer einen Tiefschlaf verhindern oder die „schlechten“ durchwachten Nächte mit den kaum aushaltbaren Schmerzen sieht niemand. Niemand ahnt, weshalb wir schon morgens körperlich und geistig so erschöpft sind.

Ja, Parkinson-Medikamente und eine Handvoll zugelassene Schmerzmittel können die Symptome reduzieren. Mit all ihren Nebenwirkungen. Solange sie noch wirken.

Das Leben mit Restless muss mit wenigen oder ganz ohne Tiefschlafphasen auskommen, mit teils schwersten Schmerzen und dem verständlicherweise fehlenden Verständnis der Umwelt – das Leben mit dem kleinen gemeinen Bruder von Parkinson, der nachts tobt. Nachts wenn alles schläft.

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