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Mercedes – ein Stern erlischt (Teil 1/2): Der Anspruch

Mercedes – ein Stern erlischt (Teil 1/2): Der Anspruch

(rs/Büro Köln/ Deutschland) Die erste Absatzkrise – oder auch Marketingkrise – hatte das spätere Unternehmen Daimler-Benz gleich zu Anfang. Gleich nach dem Auto Nr. 1 des ersten Modells, dem Benz-Dreirad, vom Unternehmer und Schöpfer selbst. Zu sagen, dass es sich schlecht verkaufte, wäre falsch. Es verkaufte sich gar nicht… Deshalb setzte sich seine Frau selbst ans Steuer und fuhr es in die Stadt. Das sorgte für Aufsehen. „Frau am Steuer„… eine Ungeheuerlichkeit, ohne Pferde, vor sich hintuckernd UND scheinbar so zuverlässig, dass das selbst eine Frau im Griff hatte!!

In der damals noch nicht so politisch korrekt denkenden Männerwelt, sehr nah bei genderspezifischen Vorurteilen würde man heute sagen – das Wort Chauvinismus trifft es nicht ganz – war dann doch diese technische Spielerei etwas, was man(n) dann auch wollte. Zumal der erste Mann im Staate, der Kaiser selbst (und daher musste das gut sein…) als technikbegeisterter Mensch sich als „Erster Automobilist“ seines Reiches sah.

 

Der Marketingcoup konnte als gelungen angesehen werden. Aus der Kooperation der Partner Daimler und Benz wurde dann das, was dann Mercedes hieß. Benannt nach der Tochter eines der Gründerväter. Aber – ohne den Mut der der Frau von Carl Benz wäre der Stern von Mercedes nie aufgegangen. Er wäre nie entstanden. Seine Masse wäre von dem Schwarzen Loch geschluckt worden, das seit jeher alles verschlungen hat, was nicht durch einen Funken initialgezündet wurde. Dieser mutige Funken hieß Bertha Benz!

 

Das ist Geschichte. Erfolgsgeschichte. Fast ununterbrochen, durch die beiden Kriege technisch gefördert und rasend schnell weiterentwickelt, und in den ausklingenden 60er Jahre dann das, was jeder am Ende seines Arbeitslebens gern in der Garage haben wollte: der eigene Mercedes.

 

Der Rentnermercedes der Klasse W123 und dann W124. Gern in Beige oder (Kühlschrank) weiß als 200er, 220er oder gar 240er. Dann jedoch meist als Diesel. Getönte Scheiben und Schiebedach als Sonderausstattung für die, die sich mehr als die Grundausstattung leisten konnten. Allein das schuf Absatz. Ohne ihn exportieren zu müssen. Im Inland. Durch die, die Mercedes als Traum ansahen. Ihren privaten Traum vom Wohlstand im Alter.

Wer sich erinnert, der weiß, dass die Wandfarbe Weiss in der Garage regelmäßig erneuert werden musste. Denn da waren immer schwarze Flecken an der Wand. Vom Auspuff des Traumautos, das gerade als Diesel die Wand am Ende der Garage schon nach einem halben Jahr schwarz färbte. Heute weiß man, dass das „Feinstaub“ war. Damals sprach man offen von Ruß. Doch der war normal und rieselte im Ruhrgebiet ohnehin vom Himmel herunter. Kohle- und Stahlindustrie, Kohleöfen und ausschließlich Kohlekraftwerke sorgten dafür, dass es ein verdammtes Wunder war – ähnlich der Teilung des roten Meeres! – dass wir es bis heute überhaupt überleben konnten. Die Messwerte von heute, hätten damals schon mit einem Mercedes 200D an jeder x-beliebigen Kreuzung als Einzelfahrzeug locker getoppt werden können.

Und das ist nicht despektierlich gemeint. Alle anderen Hersteller hätten das auch geschafft. Oder – der Trabi . Die, die die Wende erlebt haben und die Besucherkolonnen aus der DDR in ihren Trabis noch kennen, wissen, dass die Wende einen eigenen Duft hatte… und eine Farbe. Bläuliche Wolken von Absagen über den Autoschlagen. Und jeder freute sich…

Und jeder der da Trabi fuhr, träume auch von einem Mercedes. Dem eigenen Mercedes. Dann kamen verschiedene Krisen. Man war froh seine Ersparnisse zu haben, wenn es wieder eng wurde. Die durchgängige Erwerbsvita wurde Geschichte. Goldene Mitarbeiternadeln für 40 Jahre im Betrieb wurden immer seltener. Die in den 80er propagierte 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich gab es tatsächlich. In Mercedes Werken bei den Tarifangestellten… Einer Art Arbeiterelite der deutschen Industrie und Vorzeigeerfolg der Mercedes -Betriebsräte mit jährlicher Gewinnbeteiligung in vierstelliger Höhe.

 

Wenn etwas innovativ war und als neuer Trend aufkam, dann war es meist schon bei Mercedes Serienausstattung. Mercedes war und ist der Innovationsträger. Als die Bundesregierung den Diesel mit seiner Technik als einzig lösungsversprechend ansah, das EINLITER-Auto verwirklichen zu können, stürzte sich die Industrie auf die Technik und hob sie in ein Weltformat mit eigenem Anspruch.

Dann kamen zunehmend grüne Ideen hinzu. Nicht nur der Verbrauch musste sinken. Auch diverse und schlecht definierte Werte mussten erreicht werden. Die gern auch in Konkurrenz zueinander optimierbar waren. Ein anderer Ausdruck dafür, dass gewisse Werte vom kompetenten Gesetzgeber einfach „vergessen“ wurden in die Messwerttabelle überhaupt aufgenommen zu werden.

Im Ergebnis führte das dazu, dass die so gebeutelte Autoindustrie, die Abgase mit Harnsäure schon beim Entstehen herunterregeln konnte. Man einigte sich länderübergreifend als Branche darauf, das System weltweit als BLUE zu verkaufen, denn niemand wollte offen sagen, dass man letztlich seinen Diesel mit Bestandteilen fuhr, die in die Toilette gehörten.

Dann kamen weitere Möglichkeiten hinzu, zusätzliche Pluspunkte bei der Verbrauchsstatistik zu sammeln, indem man die Software optimierte. Manche Hersteller machten das zu kreativ, um noch als innovativ zu gelten. Das hatte gerichtliche Folgen. Folgen, die den operativen Gewinn im Geschäftsjahr 2018 halbiert und das Jahresergebnis um 29% (!) haben einbrechen lassen.

Diese Folgen spürt auch der Mercedes-Konzern nun deutlich, dem Aushängeschild der deutschen Autobauer, der durch Audi und BMW zunehmend seine Innovationsführung verloren hat. Es ist halt gut, wenn man als Konkurrent sein Geld in die Technik steckt, anstatt sich in den USA in marode Konzerne einzukaufen. Wenn man sogar noch Geld zahlen musste, dass man diese Art der Vergrößerung von gedachter Marktmacht wieder los wurde. Dennoch: die Mitarbeiter von Chrysler waren froh. Der damalige Chrysler-Chef auch. Er fiel die Treppe hoch.

Er war einer der wenigen, die das von sich sagen konnten. Zumal die angedachte „Rente“ – so munkelt man – durchaus existenzsichernd ist. Auch inflationsbereinigt. Nein, das soll keine Neiddebatte werden. Denn Dieter Zetsche hat es in sehr schwieriger Zeit verstanden, sein Unternehmen nach dem Chrysler-Desaster wieder auf Kurs zu bringen. Das ohne die operativen Reserven aus einem Jahrzehnt, die bei Chrysler verbrannt worden sind. In einem Markt, der nicht mehr von technischer Machbarkeit geprägt war, sondern zunehmend von ideologischer Willkür.

Einer Willkür, von der nun eine Kernindustrie der deutschen Wirtschaft zunehmend ins Chaos gestürzt wird. Mit ihr auch die Belegschaften als Arbeitnehmer, die Kunden und unser Verkehr an sich, die alle seit fast zwanzig Jahren auf Diesel umgestellt worden sind. Diesel zu fahren war schon fast etwas, das staatskonform war.

Bis zu dem Tag, wo ein Bundesumweltamt mit einer Bundesregierung via Heimlichkeit und Verborgenheit, die EU zu neuen Grenzwerten animieren konnte. Zwar jenseits der Wissenschaftlichkeit, aber ein Gesetzeswerk geschaffen wurde, das dann einem Verein mit Verbandsklagerecht neue Einnahmen generierte.

 

Dieser kleine Verein schafft es mit einem Budget, das in seiner Höhe einfach nur als lächerlich zu bezeichnen war, Millionen deutscher Arbeitnehmer um Job und Vermögen zu bringen.

Anstatt eine eigne Initiative zu gründen und ein paar Millionen aus den Milliardenumsätzen in geeignete eigene Kampagnen zu stecken, beschränkte man sich darauf, die rustikal und historisch anmutenden Lobbyisten – Vereine, wie den „Verband der deutschen Automobilindustrie“ weiter mit Geld zu versorgen. Doch das Geld floss scheinbar in die falschen Hände. An die falschen Stellen.

Für Mercedes ist das nun mehrfach bitter – das eigene technische Spitzenprodukt ist „moralisch“ kompromittiert – wachsende Absatzeinbrüche durch Vertrauensverlust der Kunden (siehe Fahrverbote) gefährden den Umsatz und machen Anpassungen notwendig – Kosteneinsparungen gehen immer zu Lasten der Belegschaften – diese Belegschaften werden immer älter (demographischer Wandel) – und zunehmend „unwilliger“… – denn nicht alle sind wohlversorgte und geschützte Tarifarbeiter mit Arbeitsplatzgarantie bis 2029!!

Letzteres auch an das Indiz gekoppelt, dass die AfD leider die Betriebsräte bei Mercedes untergraben hat, den Gesamtbetriebsrat zu Bettelbriefen an den Vorstand animiert hat. dagegen etwas zu tun. Eine wahrlich interessante Einstellung, die ein völlig neues Licht auf das Betriebsverfassungsrecht wirft. Aber auch ein Fingerzeig auf das, was Mercedes in der Krise bevorstehen wird.

Nach mehr als nur sieben fetten Jahren – nach der letzten Krise – stellt sich die Frage, was Mercedes denn nun zu tun gedenkt. Der aktuelle Wirtschaftszyklus neigt sich offensichtlich dem Ende zu. Die Bundesregierung innerhalb von zehn Tagen erst Überschüsse verteilen wollte und nun – urplötzlich – ein 26-Milliarden -Loch im Haushalt hat. Mercedes das Ergebnis von 2018 nur als schwarze Zahl hinbekam, weil die Lkw-Sparte 2% Plus machte. In dieser Sparte folgte der Trend den Pkw’s nicht folgte.

Die heutigen Rentner wollen keinen Mercedes mehr – weder die alten noch die neuen Rentner – der Absatz in China bröckelt, die Neuzulassungen zeigen gen Süden, nicht nur die gewerblichen Kunden sind (weltweit) verunsichert und der Altkunde sitzt auf Fahrzeugen, die hier billigst aufgekauft werden, um eine Grenze weiter – natürlich nun schadstoffarm – zu fahren. Und dieser finanzielle Wertverlust bei den Kunden des Sterns der deutschen Autoindustrie ist exakt der Wertverlust, der da Vertrauensverlust heißt. Dann auch bei den eigenen älter werdenden Beschäftigten, die die letzte Autokrise noch vor Augen haben. Damit unweigerlich auch deren Folgen

Teil 2: Eine neues Bertha Benz-Konzept

 

 

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