Nachrichtenticker

Covid19 und die Folgen

15-10-2020 Hits:0 News Desk Die Redaktion - avatar Die Redaktion

Covid19 und die Folgen

Update 28.10.2020 Nun kommt er der zweite Lockdown – nach mehr als 14000 Infizierten, die das Robert Koch-Institut meldet. Angela Merkels Geduld mit den Bürgern scheint am Ende. Zu viele hielten...

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Bundeswehr: Die Vertuschung als neustes …

07-10-2020 Hits:0 News Desk Sascha Rauschenberger - avatar Sascha Rauschenberger

Bundeswehr: Die Vertuschung als neustes Mittel der IT-Security

Wenn uns im Rahmen der Digitalisierung die rosaroten Wolken verkauft werden, werden uns gern die Prämissen unterschlagen. Nötige Netzbandbreiten, Hochverfügbarkeit, Sicherheitsanforderungen und vor allem auch Risiken. Es hat immer alles...

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Der Chef des Militärischen Abschirmdien…

26-09-2020 Hits:0 News Desk Sascha Rauschenberger - avatar Sascha Rauschenberger

Der Chef des Militärischen Abschirmdienstes, Christof Gramm, muss gehen

Bundeswehr: MAD-Präsident muss gehen – Warum eigentlich? von Sascha Rauschenberger Die Entscheidung über die Personalie von Christof Gramm kam überraschend. Der Präsident war ein in Nachrichtendiensten geschätzter und verlässlicher Partner.  Der Präsident des...

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Übler Telefonterror durch 017963911634 und 017963921634

Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab

Eine Handynummer klingelt an. Diesmal die 01738989936. Eine von vielen Nummern, die dieser Tage anrufen. Man erreicht das Telefon nicht, weil man gerade beschäftigt ist und wenn dann dran ist, wird meistens aufgelegt. Wenn man zurückruft, heisst es, kein Anschluss unter dieser Nummer. Jetzt, vor Weihnachten häufen sich die Anrufe. Auch aus dem Senegal und der Elfenbeinküste. Doch wenn jemand am anderen Ende der Leitung ist, der einigermassen Deutsch spricht, geht es schnell zur Sache. Cold Calling, in Deutschland verboten. Die Täter wiegen sich in Sicherheit, weil sie im Ausland ihre Basen in halbseidenen Callcentern haben. Die unbekannten Täter wollen die Opfer zum Kauf von irgendetwas oder zu Spenden vor Weihnachten verleiten. Es geht nur um die Kontonummer des Angerufenen, um nichts anderes.

Sie wollen das Beste, was ein Mensch geben kann, Geld.

So die Philosophie der Gauner. Solange nerven und bedrohen, bis die gewünschten Daten herausgegeben werden. Wenn der Angerufene nicht sofort dem Gesprächsleitfaden folgt, werden die Anrufer sehr schnell sehr ruppig. Man sollte einfach auflegen, die Nummer sperren und das bei weiteren Anrufen genauso handhaben. Auch wenn von der Balkanmafia gedroht wird, wenn man einen Stromvertrag nicht abschliesst. Oder es werden Sexkontakte vermittelt. Andere geben sich als Mitarbeiter von vodafon oder als Mitarbeiter von Behörden aus, die es gar nicht gibt. Diese Anrufe kommen zum großen Teil aus Marokko oder Tunesien. Die Telefonchips der Provider werden umprogrammiert und die Nummer als eine Handynummer ausgegeben, die es nicht gibt. Die Telefongesellschaften sind gegen solche Firmenkonstrukte machtlos. Die Anrufe sind, weil sie in der Häufigkeit mit immer wechselnden Nummern kommen, extremst nervig. Kaufen sollte man in diesen Telefonaten nichts. Es werden auch immer wieder die gleichen Glücksspiele oder Gutscheine angeboten. Wer nicht spurt, der wird verbal gefügig gemacht. Es werden astronomische Gewinne versprochen, die es natürlich nicht gibt. Lockangebote gemacht, nur um die IBAN herauszufinden, um später ein Lastschriftmandat zu erhalten. Zudem versuchen die zum Teil mit schlechtem Deutsch kommunizierenden Anrufer Abos zu verkaufen. Die Tricks sind immer wieder die gleichen, eine Bekannte hätte die Angerufenen empfohlen, die Lottogesellschaft, der Nachbar, die Frau im dritten Stock. Nichts davon stimmt. Oder der Inkasso-Dienst ruft an und erfindet eine Forderung. Die Inkasso-Anrufe kommen aus Rumänien, der Türkei und sogar aus Nigeria. Tag und Nacht. Für einige Smartphones gibt es eine App, die solche Anrufe herausfiltert. Sie heisst Call Blocker. Die abgespeckte Version, die es als Freeware gibt, kann mit den häufig wechselnden Nummern allerdings kaum umgehen. Es bleibt nur aufzulegen und zu sperren.

 
 

 

Tod in der Camargue, 1982 5. Auflage

Neue Auflage

Derzeit ist das Buch noch in der 4. Auflage bei amazon zu erhalten. Wir bereiten über unseren neuen Shop derzeit die 5. Ausgabe vor. Ein großer Teil der Bücher, die von mir auf dem Markt sind, sind Raubkopien. Wir wollen den Raubkopierern entgegenwirken. Wenn es das Ebook quasi umsonst gibt, dann ist es sehr schwer, das Buch als Raubkopierer zu verkaufen. Das haben wir aus der lul.to Affäre gelernt. Chiffrieren ist eine Sache, gesellschaftlich gegen Raubkopierer anzugehen, eine andere Sache. Ich werde, bevor der Shop geschaltet wird, das lul.to Tagebuch veröffentlichen. Ich denke, danach vergeht jedem die Freude an Raubkopien, weil die, die hinter den Kopien stehen, brutalste Methoden anwandten, um Autoren “mundtot” zu machen.

 

Nun, erst einmal viel Spaß mit der Leseprobe aus Tod in der Camargue, 1982 Kassel, im August 2012

Ein "Cold Case" eines 1982 verschwundenen Madchens, Antonia Hüter, wird wieder aufgenommen. Die Herkunft des Mädchens war nebulos. Sie war von einem Pastorenpaar aus Ungarn adoptiert worden. Gerüchte besagen, dass sie die uneheliche Tochter von Juan Peron war, für die Staatssicherheit arbeitete und einen Bordellbetrieb mit ihrem ugandischen Freund Andrew unterhielt. Zudem geht der Hinweis eines anonymen Anrufers ein, dass der ehemalige Kommissar, der den Fall in den 1980-er Jahren bearbeitete, ermordet wurde, die gesamte Abteilung der Mordkommission in zahllose Banküberfalle und Geldtransporterüberfalle verwickelt war. Ein dubioser Bankdirektor aus Hannover wurde die erste Spur in dem Fall, als sein Fahrzeug ausgebrannt im Reinhardswald aufgefunden wurde. Die Ermittlungen fuhren die Kommissare Johannes Meyer-Gergs , Schulze-Erler und ihren Kollegen Sabottke in das verlassene Hotel Provençal an die Côte d’Azur in die Tage des Falklandkrieges. Nach Argentinien, Kuba und Spanien. Zahlreiche Hinweise auf eine Gruppe von Kannibalen einer Miliz aus Uganda und einem argentinischen Terrorkommando kreuzen sich. Oberstaatsanwalt Luther vermutet den Drahtzieher in den eigenen Reihen, weil der ehemalige Kriminaldirektor Wimmer, seit dem Krieg ein Doppelleben führte und eine rechte Wehrsportgruppe mitunterhielt, die im Zuge der "Operation Condor" den Argentiniern bei ihren Vorbereitungen für einen Terroranschlag in London halfen ...

Freitag, den 26. März 1982, Autobahnraststätte Kassel Die junge, blonde Frau hob den blauen, hohen Rucksack an, schlenderte langsam und gemächlich zwischen dem verbeulten grauen Kadett Coupé, an dem der augenscheinlich wütende Fahrer gera-de den hinteren rechten Reifen wechselte und dem daneben parkenden grünen Ford Escort. Sie verharrte einen kurzen Moment, als sie den langsam vorbeirollenden grünweißen Polizeiwagen erspähte. Die Streife fuhr an die Seite heran, die beiden Beamten stiegen fast simultan aus dem Fahrzeug aus. Der Größere von beiden rückte seinen breiten, schwarzen Ledergürtel gerade, fasste kurz an die Waffe, kontrollierte unbewusst das lederne Holster. Sein Kollege setzte eine entspiegelte Sonnenbrille mit blauen Plastikgläsern auf, ging zielstrebig auf die lange Reihe, der am Ende der Raststätte, an der Ausfahrt auf die Autobahn Richtung Frankfurt, wartenden Anhalter zu. "Die wollen wohl in alle Himmelsrichtungen!", meinte der Polizist, sah auf die zum Teil kunstvoll gemalten Schilder. Ein junges Pärchen, er ganz korpulent, vollbärtig, sie dünn und zierlich, stand an einem knospenden Ginsterbusch, an dem ein kleiner, dunkelbrauner Dackel auf sein Herrchen wartete. Der Hund bellte kurz auf. Die junge Frau in der schwarzen Cordhose malte in der Hocke auf einem alten Pappkarton ein Schild mit einem schwarzen Marker, sah dann auf, gähnte kurz, reckte, streckte sich zwischen den einzelnen Parkboxen. Er drehte aus einem Päckchen Drum umständlich eine Zigarette, drückte den weißen Filter in die Spitze, steckte die krumme Zigarette mit einem Zündholz an. Ein kleiner Spatz plusterte sich auf, flog mit schnellen Flügelschlägen kurz weiter, setzte sich in das angrenzende dichte Gebüsch, neben die Margeriten, die vor dem Restaurant schon blühten. Ein Reisebus aus den Niederlanden traf ein, parkte auf dem langen Streifen, auf den Zubringer führte, überrollte einem rostigen Auspuff den ein Fahrzeug verloren hatte. Ein Briefträger leerte Briefkasten vor der Kneipe der Autobahnraststätte, mehrere Lkws, zwei orangefarbene von VEB-Deutrans erreichen die belebte Raststätte. Ein Plakat wies auf das bevor-stehende Formel 3 Rennen auf dem Flugplatzkurs von Kassel Calden hin. Die junge Frau wechselte die Kassette in ihrem Sony-Walkman, sang leise mit: "Skandal im Sperrbezirk, Skandal..." Einen Augenblick war sie ruhig, flüsterte dann fast weiter: "Alles klar, Herr Kommissar?" Ein Pärchen küsste sich im Opel Ascona, neben ihr, die Reste eines Joints lagen neben dem Wagen an der Beifahrertür, die Hippies kamen aus Berlin, dem Kennzeichen nach. Von dem Zubringer aus drang das lang anhaltende, sich immer wiederholenden Hupen eines Opels auf der anderen Seite der Fahrbahn herüber. Ein blonder Lockenkopf spielte gerade "Till there was you" von den Beatles auf seiner Gitarre, als die beiden Polizisten zu ihm kamen, seinen Perso-nalausweis sehen wollten. "Ein Sack Reis ist umgefallen..", murmelte der junge Mann. "Wir können Sie auch mit auf das Revier nehmen, dort die Personalien überprüfen", richtete der eine Polizist seine weiße Schirmmütze. Ein Autofahrer drehte das Radio in seinem metallicfarbenen BMW 525 lauter, hörte die Nachrich-ten. "Es ist 13.00 Uhr, vom Hessischen Rundfunk hören Sie Nachrichten.... Tokio…. Der US- Verteidigungsminister Weinberger ist zu einem Besuch in der japanischen Hauptstadt eingetroffen…." Dann schlug die Tür zu. Der Polizist drehte sich nervös um, nahm dann geistesabwesend das graue Heftchen in die Hand. "Ist ja alles Friede, Freude, Eierkuchen", sagte der junge Mann mit der Gitarre, grinste wieder dabei, suchte nach seinem Tabaksbeutel. "Mal schön die Hände sichtbar lassen…." "Ich wollte doch nur eine Holborn drehen…" "Sind Sie hier öfter?", fragte der Beamte eine Spur freundlicher. "Nein, nicht oft, aber ich komme schon ab und zu hier durch!", kratzte er sich durch seinen spärlichen, aber lockigen Bart. "Kurz vor Weihnachten, letztes Jahr, wurde eine junge Frau tot bei Frankfurt aufgefunden." Der Polizist zeigte ihm ein Foto, der Tramper zuckte mit den Schultern. Sie soll in Begleitung eines blonden Mannes mit Citroën 2CV am Frankfurter Kreuz gesehen worden sein. Zeugen, die sich an den Vorfall erinnern, wussten, dass die junge Frau hier eine Flasche Wein oder Campari gekauft haben soll?" "Darüber weiß ich nichts. Hübsches Mädchen war sie aber…." Er überlegte einen Augenblick. Ein polnischer LIAZ rollte vorbei, gab laut Gas. Die Kupplung knarrte. Eine schwarze Rauchwolke stieg aus dem Auspuff auf. "Ich kenne die woanders her, das war letztes Jahr an der Autobahnraststätte bei Baden- Baden. Ich trampe immer zu meiner Schnalle nach Freiburg. Da ist die mir über den Weg gelaufen. Der Rastplatz war ziemlich voll an dem Tag. Wir haben eine zusammen geraucht. Da hatte sie eine Flasche Wermut mit zwei Pappbechern klargemacht. Die nahm Pillen, LSD oder so was." Der Polizist nickte. "Wann war das?", fragte der Beamte, zückte sein Notizbuch. "Im August, oder war das schon im September." Aus einem Radio eines vorbeifahrenden Peugot 504 drang durch das Schiebedach Felicità. Das zerrissene Plakat der Autoschau vom 14.03. wehte wie ein bunter Drachen über den Parkplatz , verfing sich in den Ästen. Zwei Arbeiter der Straßenmeisterei waren damit beschäftigt einen breiten Ölfleck auf der Straße zu beseitigen. "Sie wurde in einem Wald gefunden, das Gepäck ist bis heute noch verschwunden. Wir wissen noch nicht einmal, woher sie kam?" "Ich glaube, die kam aus Berlin. Dem Akzent nach, hatte da mal gelebt. aber, das passt doch, hier reist doch alles vorbei, was über die Mauer muss. Die hatte ein blaues T- Shirt an mit der Aufschrift Pisa. Kann sein, dass sie mal da war. Ich werde den Tag nie vergessen, weil sie wegkam und ich da die ganze Nacht stand. War voll breit." "Fällt dir dazu noch was ein? Der Name vielleicht? Ich notiere die Adresse, wenn die Kollegen von der Kripo noch Fragen haben." Der Junge Mann schüttelte seinen Kopf. "Wenn es hilft,den zu kriegen, der die arme Tusse platt gemacht hat." Ein lauer Frühlingswind wehte durch das angrenzende Gebüsch. Die Tramperin warf die kleine Pappschale, aus der sie eine Bratwurst mit Senf gegessen hatte, in die graue seitliche Mülltonne wischte sich nochmals die Hände mit einer Papierservierte ab. Auf und über dem überquellenden Unrat sammelten sich Dutzende von Wespen, Fliegen und Käfer, die um eine gesplitterte, kleine Automatenflasche Coca-Cola auf-und abflogen. Andere setzten Sich auf die unzähligen Plastiktüten, die sich um den Behälter stapelten. "Entschuldigen Sie…",fragte sie dann den vorbeikommenden etwas hageren Mann, der gerade seinen Mercedes aufschloss und einsteigen wollte. "Wo wollen Sie denn hin?", fragte er, strich sich etwas verlegen die Haare aus dem Gesicht, er ahnte das Ansinnen der durchaus hübschen Frau schon. "In Richtung Süden!", sagte die blonde, sommersprossige Frau mit einem sympathischen Lachen. "Na, normalerweise nehme ich keine Tramper mit, aber ich fahre bis nach Grünstadt in der Pfalz, wenn ihnen das weiterhilft, dann können Sie mitkommen....", musterte er sie von oben bis unten, zog sie mit den Augen förmlich aus. "Ja, das würde mir sehr gelegen kommen, weil ich nach Saarbrücken will, von da aus weiter nach Frankreich..." Der Mann lächelte kurz, setzte sich in den Wagen, räumte die Limonadenflasche von dem mit cremefarbenem Fell bezogenen Beifahrersitz, öffnete die hintere Tür. "Werfen Sie den Rucksack einfach hinten drauf....!", murmelte er, steckte die bunte Plastikrassel in die seitliche Ablage, sah auf den abfahrenden Polizeiwagen. "Wie heißen Sie?", fragte der Mann, stellte die Lüftungslammellen hoch. "Antonia!", antwortete sie gleich, lächelte ihm zu. "Ich bin der Gerald!", bemerkte er etwas platt, stellte den Rückspiegel wieder ein, ließ den Motor an. "Manchmal ist es richtig gut, wenn man eine Wurst mit Ketchup essen kann", bemerkte Gerald heiser, ein wenig verlegen, stellte den Blinker an und fuhr auf die Autobahn 5, Richtung Süden, ein. Ein Eilzug überholte den zäh fließenden Verkehr, parallel zu der Autobahn, einige Kilometer weiter. Der Verkehr staute sich inmitten der wunderschönen, gebirgigen Landschaft, durch die Autobahn führte. Ein paar Straßenarbeiter teerten etwas auf dem Seitenstreifen. Es begann zu nieseln, dann stärker zu regnen. Die Tropfen zerplatzten auf der Scheibe. Antonia nickte ein, drehte sich zu der Fensterseite, Gerald rauchte eine Zigarette, rauchte diese mit hastigen Zügen. "Polizeinotruf Ludwigshafen!", der Beamte hörte das schwere Atmen einer Person. "Hilfe, Hilfe!", krächzte die männliche Stimme. "Hallo, wo sind Sie, was ist geschehen?", fragte der Polizist ruhig. "Ich weiß nicht." Dann brach die Leitung ab. "Vielleicht irgendein Spinner!", meinte sein Kollege, der den Aschenbecher auf das breite Bedienungspult der Notrufzentrale stellte, eine weitere Flasche Limonade öffnete. "Nee, das klang ernst, komisch. Das kam aus Bobenheim-Roxheim, da am Silbersee, da an dem Wäldchen ist doch eine Telefonzelle. Ich schicke da mal vorsichtshalber Kollegen hin. Dora für Dora Zentrale, bitte kommen?" "Musst ja wissen, womit wir die Steuergelder verplempern." Es rauschte in der Leitung knackte, als der Beamte wieder auf den Knopf los ließ. "Ja, hier Dora 41, wir sind frei." "Fahrt mal an die Telefonzelle am Silbersee, an dem Kiestagebau. Da kam eben ein merkwürdiger Anruf. Seht euch da mal um." Der Opel Rekord der Polizei hielt an, dicke Nebelschwaden zogen über den Kiesabbau, ein Rabe flog über den See. In der Ferne konnten die Beamten Lichter in der Dunkelheit erkennen. Ein kühler Wind zog mit lautem Pfeifen über den See. "Da ist die Telefonzelle, ich gehe da mal hin, Josef, mach du mal Meldung an die Kopfstelle." Der Polizist lief über den sandigen Weg, leuchtete mit der Taschenlampe in die Nacht, sein Blick fiel auf einen riesigen kreisrunden Blutfleck, der sich auf der Betonplatte abzeichnete. "Hier ist was, die sollen Leute von der Kripo schicken. Am besten, die senden uns auch gleich Ver-stärkung. Hier ist was passiert." Der Beamte sah in den angrenzenden Busch, es roch angebrannt. Ein Eichhörnchen lief über die Straße, erklomm eine Buche. Der Streifenbeamte drehte sich zur Seite, leuchtete das Unterholz aus. Im Gebüsch lag ein blutverschmiertes, weißes Kleid. Dann hörte er Schritte, ging diesen entgegen. Zog im Laufen seine Dienstwaffe, schlich auf dem knirschenden Untergrund. Von der nahen Autobahn drangen sonore Geräusche herüber. Ein junger Mann schob sein Mofa über den schmalen, seitlich verlaufenden Weg, das sich drehende Blaulicht. "Was machst du denn hier?", steckte der beamte die Waffe wieder in den Holster. "Ich bin liegen geblieben. Die Gurke ist nicht mehr angesprungen. Die Scheißtusse im Mercedes, so eine Blonde hat nicht mehr angehalten. Die ist gefahren, als wäre der Teufel hinter ihr her. Da vorne ist echt viel Blut auf dem Weg gewesen." "Wo?", fragte der Polizist ruhig. "Da vorne, wo die Angler immer sitzen…", entgegnete der Lockenkopf. "Weißt du das Kennzeichen von dem Mercedes zufällig?" "Ja, aber nur die ersten Zeichen- HMÜ, komisch , habe ich noch nie vorher gesehen." "Landkreis Münden, das ist ein altes Schild aus Niedersachsen, weißt du auch zufällig das Modell, Baujahr?" "Das war eine Schüssel aus den Anfang 1970 so." Der Beamte nickte unmerklich, ein zweiter Streifenwagen war eingetroffen. "Wo war der Wagen?" "Ja, da zwei Kilometer weiter, da an dem Angelplatz." "War da noch jemand?" "Ja, da war noch ein Pärchen, die haben da rumgemacht, ich habe es bis auf den Weg gehört." "Wie lange ist das her, dass du den Wagen gesehen hast?" Der junge Mann sah auf die Uhr. "Etwa eine Stunde. Der Motor hat richtig aufgeheult, als die abgefahren ist. Aber mit Schmackes." "Was ist dir sonst noch aufgefallen, in welche Richtung ist der Mercedes gefahren. Du sagt, da saß eine blonde Frau drin?" "Ja, die habe ich ganz kurz gesehen, vielleicht eine Sekunde oder zwei. Ich habe den Wagen schon so gegen sechs Uhr an der Bundesstraße gesehen, da lag ein Rucksack auf hinteren Bank, das ist mir nur aufgefallen, weil eine Plastikrassel genau neben dem Auto im Gras hing. Die ist bestimmt raus-gefallen." Der Junge zog die Rassel aus dem blauen Cordblouson. "Wollte ich meiner kleinen Schwester schenken, ich habe zuhause Stress gehabt mit meinem Al-ten." "Ich mache nachher gut Wetter für dich, war wohl nicht dein Tag?" "Nein, ich habe eine sechs in Mathe, ich bin auf dem Schulklo beim Rauchen erwischt worden und habe einen Brief nach Hause bekommen. War wirklich nicht mein Tag. Was war hier los?" "Das wissen wir auch noch nicht. Waren außer der Frau noch mehr Personen im Auto?" "Nein, ich glaube nicht." Eine Eule heulte im Wald. Mehrere Beamte suchten mit Handscheinwerfern das Gelände ab. In einiger Entfernung bellte ein Hund. "Ich habe da so ein Gefühl, aber ich weiß nicht , ob das richtig ist", sagte der Junge. "Na, sag schon", insistierte der Beamte. "Die ist noch nicht viel Auto gefahren, die hat den Motor ständig abgesoffen, weil sie mit der Kupp-lung nicht zurecht kam." "War die vielleicht keine 18 Jahre?" "Doch, so sah sie schon aus, aber die war vollkommen fertig, so im Gesicht. Was mich auch wun-derte, ich habe sie ganz kurz gesehen, als ich mit der Spritze da vorbeifuhr, da hatte sie ein Kleid an, als ich sie dann wieder sah, eine Jeans und ein T-Shirt mit dem Schiefen Turm von Pisa." "So leid es mir tut, deine heutige Pechsträhne ist noch nicht vorbei, die Kollegen von der Kripo müssen wohl mit dir reden, wir haben ein Kleid gefunden. Das musst du dir mal ansehen." "Martin, kommst du mal, die Spusi hat ein Stück Haut an der Telefonzelle gefunden, sieht aus wie die Haut von einem Penis. Da sind auch noch andere Gewebereste dran." Der Junge grinste verhalten. "Ist ja echt scharf." "Ja, aber nicht für den, dem das Teil gehörte!", antwortet der Beamte leise. "Nein, scheiße, das tut bestimmt weh."

Sonntag, 28. März 1982, Les Saintes Maries de la Mer, Republik Frankreich Die etwa 20 Touristen folgten in einem lang gezogenem Feld, vorbei an einem ausgedehnten Mo-rast, das von einem Bewuchs von Tamarisken begrenzt wurde, dem Reiter der allseits bekannten Pferdefarm durch das unübersichtliche Brackwasserland. Eine Amerikanerin, ohne Begleitung, unterhielt sich mit dem bärbeißigen, sehr stillen Franzosen, fühlte sich nicht wohl in dem harten, immer rutschenden Sattel. "Ich war gestern an der Wallfahrtskirche Notre Dame de la Mer in Les Saintes Maries. Das ist ja schlicht unglaubliche Kunst…", sie brach den Satz im Sprechen ab, weil sich der Mann umdrehte, über das angrenzende Schilffeld auf die anderen Teilnehmer in der Gruppe zurückblickte, diese kurz zählte. Eines der Ponys schnaubte, wieherte dann. Der Fremdenführer zündete sich eine Gitanes Mais an, sah nach vorne, an die durch Büsche verdeckte Ruine des ehemaligen Hofes von der Witwe Bardot. "Die heißt auch so wie die berühmte Schauspielerin. Das war eine der ersten , die nach dem Krieg wieder anfingen, die wilden Hengste einzufangen. Sie saß selbst am liebsten auf dem Rücken einer Stute." Die Touristengruppe hörte aufmerksam zu. Langsam trabten die Ponys nach vorne, ein kleiner Junge ritt neben seiner Mutter, beobachtete einen Frosch, der entlang eines Drainagekanals hüpfte. "Die Witwe Bardot starb leider vor einigen Jahren und das alte Gehöft zerfiel." Marcel hielt inne, erkannte in diesem Moment die kleinen, schwarzen Rauchwolken, die mit der aus Westen kommenden warmen Brise über das Land, bis zum nahen Meer hin, getrieben wurden. "Ich bitte jeden aus der Gruppe einen Moment hier zu warten, bis ich wieder zurück bin. Reiten Sie bitte nicht alleine weiter. Ich glaube da vorne brennt es. Ich muss leider einmal nachschauen." Unter den Touristen wurde kurz etwas gemurmelt, als der Mann dem braunen Rappen die Sporen gab, hinter der Biegung des Weges verschwand. Der vollkommen ausgebrannte Mercedes glühte noch in der ehemaligen Fahrgastzelle, in den Federn der Sitze.. Die ganze Mauer daneben war schwarz, das ohnehin schon trockene, gelbliche Gras war auf der ganzen Fläche verkohlt, einige Glutnester flackerten noch orangerot. Qualmten. Der Mercedes verfügte über keinerlei Kennzeichen mehr, offensichtlich war er mit einem Brandbeschleuniger entzündet worden. Der Gestank von verbrannten Gummi verteilte sich in der Luft, sammelte sich dann unter dem von Sonnenstrahlen durchfluteten Dach des ehemaligen Stalls neben dem gemauerten Brunnen. Eine verbrannte Jeans kräuselte sich neben dem zweiten Wrack auf dem Grundstück, einem verrosteten Citroën HY, in dem einige Vogelnester waren. Immer wieder flogen Flamingos auf. Eine Tür schlug im Wind. An der mit groben, hellen Steinen gebauten Wand der ehemaligen Küche des alten Pferdehofes, ruhte der Rucksack einer Touristin, einer Britin, wie Marcel feststellte, als er die einzelnen Fächer mit dem Reißverschluss durchsuchte. "Wie kommt dieser Rucksack hierhin?", brummte der drahtige, muskulöse Südfranzose sichtlich ratlos,packte dabei die Unterhosen und eine weiße, blutverschmierte Tüte eines englischen Supermarktes aus. Momente später fand er in einer der Hütten verstreutes, englisches Kleingeld, mehrere silberne 50 Pence Stücke und einen, im Wind flatternden, Fahrschein der Fähre von Dover nach Calais. Dieser Fahrschein war genau eine Woche alt, in einem Reisebüro in London am Piccadilly Circus gelöst worden. Im angrenzenden Stall, dessen massive Dachkonstruktion eingefallen war, die zerbrochenen, schwarzen Ziegeln stapelten sich über den Balken auf dem Boden wie eine spitze Pyramide, entdeckte Marcel die Jugendherbergsrechnung aus Nizza vom 25. März. Ein Lastwagen fuhr auf der nahen Hauptstraße weiter in Richtung Les Saintes Maries de la Mer. Der Mann nickte unmerklich. Dann fiel sein Blick auf eine verkohlte, abgeschlagene Hand, die rauchte und unter der Hitze noch zischte. Er drehte sich weg, fürchtete sich sonst übergeben zu müssen. Robert Sapier übersah nochmals den Tatort, wandte sich langsam seinem Kollegen zu, der noch auf dem verbrannten Boden kleine rote Fähnchen einsteckte. "Das macht alles keinen Sinn", sagte er zu den dunkelhaarigen Leutnant, der sich gerade aus der Kniebeuge erhob. "Nein, das macht wirklich keinen Sinn", drückte er seinen halb angerauchte Gauloise in den feinen Sand, neben einer wild wachsenden Kaktee aus. "Der Wagen ist nicht aus Frankreich, alleine schon wegen der Scheinwerfer. Bei uns wären diese gelb unterlegt. Ich meine den Mercedes, der könnte aus Deutschland oder Österreich sein. Wir ha-ben in den Motorraum eingesehen, als die Feuerwehr fertig war. Da hing ein noch unleserliches Schild einer Tankstelle aus einem Ort, der deutsch klingt. Hameln. Eine Parkscheibe einer Aral-Tankstelle lag unter einer Matte vorne, die ist teilweise erhalten. Auch ein Teil einer deutschsprachigen Zeitung aus der letzten Woche, die heißt "Hessisch Niedersächsische Allgemeine Zeitung", las der junge Tambour von seinem Clipboard ab. "Niedersachsen liegt in Deutschland, im Norden, da bin ich schon mal gewesen, vor einigen Jahren in Hannover, während meiner Studienzeit in Straßburg im Elsass ", entgegnete Robert Sapier, kratzte sich an der linken Schläfe. "Da vorne lag ein Brillengestell zwischen den Steinen", wies Momo Tambour auf einen Haufen aus-geglühte Kalkblöcke. "Momo, dann sollten wir die Kollegen in Deutschland mal fragen, ob die uns weiterhelfen können. Oder ob die vielleicht dieses Auto vermissen, die Fahrgestellnummer sollten wir ja noch feststellen können." "Schon geschehen. Vielleicht waren es auch nur Diebe, die den Rucksack. Die haben den Mercedes gestohlen und dann alles verbrennen wollen, dabei ist ihnen dann die Hand aufgefallen, zu allem Überfluss wurden sie dann hier bei der Beseitigung der Spuren gestört, durch wen auch immer gestört." Einige Motorradfahrer steuerten auf die Landstraße nach Nîmes. Die Maschinen heulten in der folgenden Kurve, als sie einen Traktor überholten, auf, rollten dann wieder in die folgende Gerade ein. "Das ist eine Möglichkeit, Robert. Eine andere Möglichkeit ist die, dass hier jemand ein massives Verbrechen vertuschen will und sich bewusst diesen Platz ausgesucht hat. Aber der muss Ortskenntnisse haben und kann nicht alleine gehandelt haben. Die Spurensicherung hat weiter vorne, an einer Fußmatte und dem Rucksack erheblichen Mengen von Blutanhaftungen aufgefunden." "Wie kommt ein englischer Rucksack in einen mutmaßlich gestohlenen deutschen Wagen aus Nie-dersachsen, dieses Fahrzeug dann nach Frankreich, gerade zu uns in den Süden und wird danach von irgend einem vollkommen Verrückten angezündet? Ich sage dir, in diesem Fall hatte schon jemand vor uns die Hände verbrannt….." Tambour grinste matt. Beobachtete danach die Kriminaltechniker, wie die Beamten Gips in die Reifenspuren gossen. "Da drüben, in dem Schilf, hatte es der Täter zuerst versucht, da sind Fußspuren von kleinen Turnschuhen, aber das sind sehr kleine Füße. Débarre von der Spurensicherung hat den Eindruck, dass diese zu einer Frau gehören oder einem sehr kleinen Mann. Wie ich kann auch er sich nicht vorstellen, dass die zu einem Kind gehören.. Kollegen von der Gendarmerie Nationale haben weiter vor-ne, etwa 1 km von hier, einen Obdachlosen, gebürtig aus Paris aufgegriffen. Der war früher einmal Architekt, sind als Maler über Land und ist hier hängen geblieben." Er zündete sich noch eine Zigarette an. "Der Clochard erzählt, dass in der Camargue Menschen geschlachtet werden, wie Tiere, er hätte das gehört, auf seine ewigen Wanderungen, um ein Motiv für seine Bilder zu suchen. Er hätte gesehen, dass viele Knochen über die gesamten Schilffelder verstreut wären. Einer der Kollegen hat er dann an einen Graben geführt, und der entdeckte da tatsächlich einen kleinen Knochen. Ob das menschliche Knochen oder Überreste von einem Tier sind, konnte auch der Gerichtsmediziner nicht sagen. Jedoch entdeckte er dort auch einen Sony-Walkmen, neusten Modells, mit einer deutscher Kassette darin, da steht drauf NDW-"Skandal im Sperrbezirk"", wieder las Momo Tambour von seinem Block ab, der Wind spielte mit dem losen Seiten. "Wie heißt der Mann?", fragte Robert kurz, blickte auf die schwarze Plane, die von eingetroffenen Feuerwehrleute über das Wrack des schwarzen Mercedes gelegt wurde. "Pierre Clement, er ist schon ein klein wenig verrückt geworden durch den ganzen Alkohol….", ergänzte Tambour mit einem wirren Lächeln und drehte den rechten Zeigefinger in der Luft an seiner Schläfe. Der pickelige und nach Alkohol stinkende Clochard sprach weiter, bis der Capitaine Sapier ihm dringend riet, den Mund zu halten. "Der Mann erzählte vorhin dem Kollegen von der Gendarmerie Nationale etwas über mehrere unbekannte Afrikaner, die vor einiger Zeit über die Felder gelaufen wären. Dort säckeweise Knochenmehl und kleine Knochen in den Brackwassergräben verstreut hätten. Ihn hätten sie auch versucht, zu schlachten, jedoch er sei gerade noch mal weggekommen. Sogar konnte er diese komischen Afrikaner, die in der Villa der alten Madame Lafayette leben würden, abseits der Straße nach Arles, genau beschreiben." "Es geht um den heiligen Lazarus, den ersten Bischof von Marseille, der sterben musste, weil er seine Seele nicht den römischen Göttern opfern wollte. Nun kehrt er zurück. Er wurde in dem Gefängnis unterhalb der Kirche gefoltert. Hier werden seine Reliquien verstreut. Da sind auch die Köpfe vom letzten Stierkampf." "Wahrscheinlich!", sagte Sapier leise und wandte sich dem Mann zu. "Das kann nur damit zu tun haben. Wie konnte es sein, dass die französische Polizei nicht darauf gekommen ist?" Ungeduldig spielte der französische Kriminalist mit einem vertrockneten Grasstängel zwischen den Fingern. Plötzlich begann Clement eine Art Flamenco zu tanzen, schlug mit zwei hölzern, wie mit Kastagnetten aufeinander, setzte sich wieder, las in einer alten, fledderigen Bibel, trank Rotwein aus einer Flasche. Eine hellbraune Katze schlich um einen alten Stall, der Wind trug Teile von Schilfhalmen über die endlos wirkende Landschaft. "Hier ist Salome angelandet. Die Salome, die aus Galiläa kam und eine der wenigen Frauen war, die bei der Kreuzigung von unserem Erlöser Jesu dabei war. Sie war der wahre Jünger von Jesu Christi. Dies ist heiliges Land, von Gott ausgewählt und die Touristen zertrampeln es mit den zügellosen Pferden." "Der Typ ist doch schon durch den Rotwein kaputt!", zischte Sapier einen der schwarz uniformierten Flics an. "Wir sollten nicht unbedingt den Geisteszustand von einem Clochard überprüfen, sondern uns eher damit beschäftigen, woher die verschmorte Hand kommt ….", brüllte Sapier plötzlich los. Der Uniformierte nickte und sagte: "Wir haben ein Stück weiter, einige Briefe in Englisch gefunden. Das könnte sein, dass diese Briefe zu dem Rucksack passen, den der Fremdenführer auf dem Gelände der ehemaligen Pferdefarm fand." Der Beamte reichte Sapier den Stapel mit feuchten Umschlägen. Sapier setzte sich auf einen spitzen Stein, las die mit ungelenker Schrift verfassten Briefe aus Port Stanley, die auf den Falklands etwa zwei Wochen zuvor gestempelt worden waren. "Gerade erfahren wir, dass Fischer gestern eine Jacke mit Ausweisen im Netz hatten, von einer Farbigen aus Marseilles. Sie ist seit zwei Tagen als vermisst gemeldet, die Kollegen in Marseilles gehen noch davon aus, dass die Strömung die Frau bis an die Strände der Camargue gespült hat. Sie war Köchin in einem Restaurant in Cassis", trat Tambour, der im Einsatzfahrzeug ein Baguette gegessen hatte, auf Sapier wieder zu. Der nickte nur, strich sich den perlenden Schweiß von der Stirn. Booking.com

"Ich habe gestern Abend mit Martha zu viele Fische und zu viel Rotwein getrunken", grinste Sapier müde. "Je m'voyais déjà", sang Tambour fast wie Aznavour, machte die Trompete nach. "Der schreibt hier Dinge, die den DST interessieren könnten, wenn die Jungs das noch nicht wissen. Der John Young, das ist doch sicher ein Pseudonym, schreibt hier an seine Freundin, dass er be-fürchtet, dass irgendwelche argentinischen Soldaten an den Küsten Südgeorgiens gelandet sind. Das wüsste er von einem Kameraden. Scheinbar sind mehrere Schiffe aus England unterwegs in den Südatlantik, weil die noch auf den Inseln befindlichen Zivilisten evakuiert werden sollen. Da braut sich etwas zusammen. Kreuzer und andere Schiffe fahren Patrouille vor Port Stanley. Das ist keine zwei Wochen her, dass er das geschrieben hat…..Wir müssen auch die Briten einschalten, das soll Paris machen. Ich mag die Inselaffen nicht." Robert Sapier legte die Briefe in eine graue Plastikbox. "Wo wohnen denn diese Afrikaner?", fragte er Tambour verhalten. "An der Straße nach Arles, zehn Minuten von hier….das sind ganz harmlose Leute, die vielleicht mal eine Dose Bohnen, auch mal ein Brot oder eben vielleicht auch mal eine Tomate oder eine Zwiebel mitgehen lassen. Aber die Schlachten bestimmt keine Kinder oder Leute, die jetzt Urlaub machen. Das ist Nonsens, das sind böse Gerüchte, auf die ich nichts gebe." "Ich auch nicht Tambour, aber trotzdem muss ich mich dort umsehen. Das sind alles Geschichten, die aus Vorurteilen bestehen, die Nationalisten in die Welt setzen, das ist vollkommener Blödsinn vollkommen krank." "Über uns Algerier behaupten sie, wir würden Franzosen von hinten erstechen, jeden Tag drei oder vier Franzosen, wenn das so weitergeht ist Frankreich bald leer!", blinzelte er in die Sonne, strich sich über seine schwarzen Haare. Am Horizont zogen dunkle, quellende Gewitterwolken auf. "Aber du kennst die einschlägigen Dienstvorschriften, wir müssen jedem noch so unsinnigen Hinweis nachgehen. Sonst meckert Paris.." Sapiers korsischer Akzent klang wieder durch, er suchte nach einem kleinen Flacon Parfüm in seiner Jackentasche.

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Momo Tambour zog an der langen Klingelschnur neben der Tür. Die Fassade der geräumigen Villa war drei Etagen hoch, bis zur Regerinne am Dach mit Efeu über-wachsen. Sapier bemerkte, als er das Fahrzeug im Schatten unter einer Palme geparkt hatte, näher kam: "Ist ja ein schönes Fleckchen Erde, das kann ich mir nicht leisten, aber unsere Freunde wohl- ich frage mich, was die oder vielmehr wie die das machen?" Der feine Geruch von provenzialischen Kräutern lag in der Luft. "Wahrscheinlich gehen die alle hart arbeiten, illegal und legal, in großen Familienverbänden, wie wir auch, aber irgendwie komisch ist das hier schon." In dem Carport gegenüber des Hauses parkte ein blauer BMW älteren Baujahrs, ohne Kennzeichen. Eine verwitterte, vermooste Steinfigur von Bonaparte ragte aus dem ungemähten Rasen. Der Leutnant zog erneut an der Klingel. Im ersten Geschoss beobachtete Tambour dabei ein Fenster, das im Zug des warmen Mistrals schlug. Die vergilbte Gardine flatterte im Wind. "Es ist Sonntag, lass es uns morgen nochmals versuchen, ich bin nachher noch mit Josy verabredet, sie will den zweiten Teil von La Boum nochmals sehen. Der läuft gerade im Kino." "Etwa die brünette Josy???", fragte Momo Tambour. "Mit etwas Anstrengung ziehe ich mich an der Außenwand bis zum Fenstersims hoch!", erklärte Tambour leise, verlangte von seinem Kollegen eine Räuberleiter zu machen. Nach einem Augenblick des Zögerns gab Sapier nach. Der Mann robbte an der mit cremefarbenem Stein gemauerten Wand etwa vier Meter hoch. Hielt sich an dem schweren, mit schwarzem Plastik ummantelten Spanndraht des Blitzableiters fest. "Ich bin gleich oben, ich mache dir sofort die Tür auf." Sapier nickte, steckte sich eine Zigarette an, beobachtete dabei seinen Kollegen, der an einem verwitterten Klappladen kurz Halt machte. "Ja, ja….Fall da nicht runter, ich muss dann Formulare ausfüllen, das mag ich nicht!" Tambour zog sich in das Fenster hinein und verschwand kopfüber, nach einigen Minuten ging Sapier unruhig geworden, auf die rückwärtige Terrasse des Hauses, stolperte fast über einen Stein. Eine Katze miaute in dem tiefen sich anschließenden Piniengehölz. Schlich dann weiter, jagte eine Maus. Käseweiß trat Tambour vor die Tür, seine Lippen waren blau. Im ersten Moment erschrak Sapier, dann lehnte er sich mit einem Grinsen an die Mauer, schloss die Augen und genoss die Sonnenstrahlen.   [ebayfeedsforwordpress feed="http://rest.ebay.com/epn/v1/find/item.rss?keyword=%281982%2CCamargue%2CCitroen%2CFrankreich%2CWein%29&sortOrder=BestMatch&programid=11&campaignid=5338225541&toolid=10039&listingType1=All&feedType=rss&lgeo=1" items="5"]

Damals, im Sommer 1955

Zu den Feiertagen 2019 etwas ganz Besonderes. Eine Zeitreise der außergewöhnlichen Art. Wir schreiben das Jahr 1955, genauer gesagt den Sommer 1955. Cornelia (Conny) Froboess dudelte den Schlager der Jahre „Pack die Badehose ein“. Die uns schon bekannte Tante Erna nahm das wörtlich, nahm ihren Lebensgefährten und ein befreundetes Ehepaar und fuhr an die Côte d’Azur. Dann weiter an die italienische Riviera.

Segeln 1954, Berlin Wannsee, kasaan media, 2019 Segeln 1954, Berlin Wannsee, kasaan media, 2019[/caption]

Vom Wannseebad und dem Segelboot hatte sie wohl aus den Kriegsjahren in Berlin noch genug. Ein Jahr nach den Ereignissen in Bern, dem Gewinn der Fussballweltmeisterschaft. Erhalten sind auch Aufnahmen aus Österreich in dem Monat. Wahrscheinlich im Juni 1955, weil ab 1. Juli 1955 die schwarzen Kennzeichen ungültig wurden. Man muss heute staunen, denn zu der Reise über die Alpen gehörte Mut. Die Straßen waren nicht so ausgebaut, wie Jahrzehnte später.

Es ging über Österreich mit dem Campinganhänger über die Alpen nach Italien. In diesem Campinganhänger war alles, was man in der Zeit für einen Urlaub gebrauchte. Es war die Sehnsucht dieser Tage, auch der Musik der Zeit geschuldet, nach Palmen und Bella Italia. Nach Wärme und südländischem Flair. Danach wollte man an die Küste nach Monaco und weiter auf einen Campingplatz, der bei Mandelieu-la-Napoule lag. Entlang des Massif de l'Esterel. Sogar Felsen wurden, weil diese so fremd waren, von den Berlinern fotografiert.

Irgendwo in Tirol, kasaan media, 2019

Irgendwo in Tirol, kasaan media, 2019

Büssing in Nauders in Österreich, kasaan media, 2019

Büssing in Nauders in Österreich, kasaan media, 2019

Hoch in den Alpen 1955, kasaan media, 2019

Hoch in den Alpen 1955, kasaan media, 2019

In den Alpen Österreichs, kasaan media, 2019

In den Alpen Österreichs, kasaan media, 2019

Turm im See 1955, kasaan media, 2019

Turm im See 1955, kasaan media, 2019

Es war zweifellos die Belohnung für die mageren Jahre, die die nationalsozialistische Diktatur unter Hitler auch in Deutschland hinterlassen hatte. Die Nazizeit hatte auch bei den Deutschen Opfer ungeahnten Maßes gefordert. Die Luftbrücken-Zeit, wie auch die Teilung der Stadt, hatte weiteren Tribut gefordert. Überliefert sind Bilder, die 65 Jahre alt sind, die nicht mehr perfekt sind, aber den Zeitcolorit widerspiegeln. Vieles lässt sich auf den Agfa-Trägern nicht mehr rekonstruieren, trotzdem zeigen sie die Freude derer, die damals in den heiß ersehnten Urlaub gen Süden fuhren. Es war lange vor dem Massentourismus mit Anhänger und VW Käfer Cabrio. Der Verlag untersagt den Nachdruck ohne ausdrückliche Genehmigung. Die Bilder stammen aus Privatbesitz und sollen nur dem Vergnügen der Leser dienen.

Ungewohnte Umgebung, kasaan media, 2019

Ungewohnte Umgebung, kasaan media, 2019

Abends in Südfrankreich 1955, kasaan media,2019

Abends in Südfrankreich 1955, kasaan media,2019

Camping anno dazumal, 1955, kasaan media, 2019

Camping anno dazumal, 1955, kasaan media, 2019

Der erste Kaffee unter Palmen, kasaan media, 2019

Der erste Kaffee unter Palmen, kasaan media, 2019

Auf dem Campingplatz in Südfrankreich, kasaan media, 2019

Auf dem Campingplatz in Südfrankreich, kasaan media, 2019

Das Zelt,kasaan media, 2019

Das Zelt, kasaan media, 2019

Bei Mandelieu la Napoule, 1955, kasaan media, 2019

Bei Mandelieu la Napoule, 1955, kasaan media, 2019

Straßenszenen in Bella Italia 1955, kasaan media, 2019

Straßenszenen in Bella Italia 1955, kasaan media, 2019

Straße in San Remo 1955, kasaan media, 2019

Straße in San Remo 1955, kasaan media, 2019

Strada, 1955, kasaan media, 2019

Strada, 1955, kasaan media, 2019

Sonnenanbeterin,kasaan media, 2019

Sonnenanbeterin,kasaan media, 2019

San Remo 1955, kasaan media, 2019

San Remo 1955, kasaan media, 2019

Markttag 1955, kasaan media, 2019

Markttag 1955, kasaan media, 2019

Markt in Italien anno 1955, kasaan media, 2019

Markt in Italien anno 1955, kasaan media, 2019

Grazien unter Palmen anno 1955, kasaan media, 2019

Grazien unter Palmen anno 1955, kasaan media, 2019

Das Meer 1955 , kasaan media, 2019

Das Meer 1955 , kasaan media, 2019

An der Promenade 1955, kasaan media, 2019

An der Promenade 1955, kasaan media, 2019

Am Strand in Italien, 1955, kasaan media, 2019

Am Strand in Italien, 1955, kasaan media, 2019

Bella, bella Italia, kasaan media, 2019 Bella, bella Italia, kasaan media, 2019

 
 

Tatort Ötztaler Alpen

Ötzi war der Wanderer zwischen den Welten. Einer der wenigen, dessen Geschichte auch in die Neuzeit überliefert wurde. Eher zufällig wurde der Mann aus dem heutigen Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien zur Mumie.

Ötzi war der Wanderer zwischen den Welten. Einer der wenigen, dessen Geschichte auch in die Neuzeit überliefert wurde. Eher zufällig wurde der Mann aus dem heutigen Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien zur Mumie. Gefunden wurde er von Wanderern am Tisenjoch, in den Ötztaler Alpen, am 19. September 1991. Es schälte sich aus dem Eis und einem kleinen Teich ein menschlicher Körper, der erst für den eines vermissten Bergsteigers gehalten worden war. Erst gerichtsmedizinische Untersuchungen in Österreich und Italien entzauberten die Mumie. Durch glückliche Umstände gelang es, seine sterblichen Überreste noch nach tausenden von Jahren, nach einer Eisschmelze, an dem späteren Fundort vorzufinden. Ötzi ist das Synonym für die Magie der Archäologie. Eigentlich ein Zeitreisender, wie es kaum einen Zweiten gibt. Bei Auffinden war der kleine hagere Mann, der nur noch aus einem vergilbten Körper zu bestehen schien, eine außergewöhnliche Weltsensation. Jeder wollte den Mann sehen, der in grauer Vorzeit ums Leben kam. Selbst mit dem 3D-Drucker wurden aus Harz zahllose Ötzis in späteren Jahren gefertigt. Die Modelle traten ihre Siegeszüge durch die Museen dieser Welt an.

 

Über Ötzi, sein unmittelbares Lebensumfeld und die Umstände seines Todes ist viel geschrieben worden. Er starb an einem Pfeil, der ihn wohl in den Rücken traf. Ötzi war nicht das erste Mal in dem Tal, so viel steht auch mehr als 5000 Jahre nach seinem Ableben fest. Er sah bärbeissig und zerzaust aus. Er war mit mehr als 60 Tätowierungen schon ein Exponat der Zeit. 
Sein später durch Kriminaltechniker rekonstruiertes Gesicht wirkt freundlich, wenn auch fremd. Viele fragen sich, was für eine Sprache sprach der Mann, wenn er dann in diesem dünn besiedelten Gebiet wanderte, vielleicht jagte? Wahrscheinlich eine indo-europäische Version mit allen für eine Sprache wichtigen Merkmalen. Wohin wollte er, woher kam er? Fragen, die uns in Beiträgen der nächsten Monate beschäftigen werden. Einen Raubüberfall auf Ötzi schloss die nachfolgende Untersuchung aus. Damals war es Neid, der die Menschen zu solchen Taten verleitete. Das spätere Opfer besass für die damaligen Tage ein besonders wertvolles Kupferbeil, ein Messer und einen Feuerstein. Ötzi war der Vertreter einer Generation, einer Gesellschaft, die uns heute fremd vorkommt. Und doch, es waren unsere Vorfahren, die damals in kleinen Siedlungen nahe Seen lebten, vom Fischfang, der Jagd und dem ersten Ackerbau. Jäger und Sammler, die sich in Großfamilien zusammengeschlossen hatten, lebten in der Zeit in ständiger Angst von einer der anderen Familien überfallen zu werden. Wilde Tiere und Infektionen, Krankheiten aller Art, rafften die Menschen schon vor dem vermutlichen Alter des Eismannes Ötzi dahin, der auf einem Plateau an einem Hang starb, namenlos und vergessen für viele Jahre im ewigen Eis. 
Sicher war er nicht arm. Lederschuhe, die mit Gräsern gefüllt waren, erzeugten auch damals das Wohlgefühl der Wärme in den Höhen des Similauns.

 

Ötzi litt unter einer ganzen Reihe von Krankheiten, die ihn sicherlich über kurz oder lang auch dahingerafft hätten. Darunter diverse Darmparasiten und Karies, das damals tödlich werden konnte. Wer dachte schon an einen Bohrer oder Zahnersatz. Zudem hatte er eine gebrochene Schulter, eine verletzte Hand, vielleicht durch einen Kampf, den er kurz vor seinem Tod im Tal ausgetragen hatte. Diverse Blutergüsse zierten den muskulösen Körper des Mannes, der dann in der Einsamkeit verblutete. Ötzi hatte die eigentliche Lebenserwartung überschritten, die damals erreicht werden konnte. Er war über 40 Jahre alt. Sein letztes opulentes Mal: Steinbockfleisch, Äpfel und diverses Getreide standen noch kurz vor seinem Tod auf dem Speiseplan. Ötzi ist nicht nur ein Wanderer zwischen den Welten gewesen, sondern auch ein Ausdruck einer Zeit, die uns verschlossen bleibt. Wir wollen in den nächsten Monaten die Zeit um Ötzis Tod ergründen, das Zusammenleben der Menschen im Europa der Tage. Wir wollen der Zeit von Ötzi ein Gesicht geben.

 
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