Automobil

Die Tin Lizzie

(mm)


So nannte man sie in Amerika. Bei uns sagte man die „Blechliesel“, wenn ein Ford Modell T
entgegenkam. Kurz nach der Jahrhundertwende war ein Automobil aber immer noch etwas Seltenes,
und Pferdefuhrwerke beherrschten die unwegsamen Straßen.


Der rührige Erfinder und Geschäftsmann Henry Ford entwickelte, auf der Suche nach Mobilität für die
Masse und einem eigenen Geschäftsmodell, ein robustes Fahrzeug für den einfachen Mann (oder die
Frau). Ein Leiterrahmen aus vernieteten Stahlprofilen diente als Fahrgestell, was vor 120 Jahren aber
durchaus der Stand der Technik war, und verband Motor, Achsen und die Kraftübertragung. Ein mit
Blech beplanktes Holzgerüst gab dem Aufbau seine Form. Blattfedern dämpften die Unebenheiten,
die von Rädern mit Holzspeichen an die Starrachsen aus Stahlguss von der Strasse übertragen
wurden und gebremst wurde nur die Hinterachse.


Es war das ideale Gefährt seiner Zeit, die in den weiten Ebenen der USA das Ende des „Wilden
Westens“ und der Beginn einer neuen Zeitrechnung darstellte. Einfach zu reparieren und zu fahren,
Billig und mit einer Bodenfreiheit, die nicht auf befestigte Wege angewiesen war. Es war die
beherrschbare Technik für alle und das Automobil für Jedermann.


Das Auto, eine Erfindung von Gottlieb Daimler und Carl Benz aus Deutschland, war nicht mehr neu,
doch, als Einzelanfertigung jeder Karosse nur bezahlbar von Königen, reichen Industriellen und
Filmstars. Doch jetzt kam Henry Ford und revolutionierte die gerade neu entstehende
Automobilindustrie.

Er gründete 1903 in Detroit die Ford Motor Company und entwickelte Autos,
von Modell A das Alphabet aufwärts. Viele blieben Prototypen, gebaut wurden anfangs nur Modell A,
dann C und schließlich AC. Modell T war das Berühmteste und wurde von 1908 bis 1927 mit 15
Millionen Fahrzeugen zum lange Zeit meistproduzierte Auto der Welt. Erst 1972 wurde dieser Rekord
durch den VW Käfer gebrochen.


Neu war bei Ford die Produktion am Fließband, die eine Massenproduktion bei gleichbleibender
Qualität sicherstellte. Hochwertige Materialien wie vanadiumlegierter Stahl für die Achsen und
gleichbleibende Fertigungstoleranzen sorgten für Haltbarkeit und Robustheit. Eine
Qualitätssicherung wurde eingeführt, aber größere Verbesserungen gab es nur im Detail. Ein Wagen,
günstig und ohne Extras, obwohl es über die Zeit mehrere Karosserievarianten gab. Die Handkurbel
wurde schließlich durch einen elektrischen Anlasser ersetzt und die Acetylen Lampen durch
Elektrische.

Henry Ford wird der Ausspruch zugeschrieben: „Mir ist jede Farbe recht, solange sie nur
Schwarz ist“. Er hat es wohl so ähnlich auch gesagt.
Der Wagen wurde, um Steuern zu sparen, ab 1926 in Einzelteilen aus Amerika nach Deutschland
eingeführt und zuerst in einer Getreidehalle am Berliner Westhafen endmontiert. 1930 verlegte man
den Sitz des deutschen Unternehmens nach Köln, wo er bis heute blieb.


Mit der Zeit veraltete die Technik, doch immer weitere Rationalisierungen bei der Herstellung sorgte
noch für günstige Preise und höheren Absatz, bis 1927 das nachfolgende Modell in Produktion ging.
Es sind nur noch wenige übrig geblieben, aber wir werden die Erinnerung an diesen Meilenstein, das
Arbeitspferd der kleinen Leute, aber auch den heimlichen Star aus alten Filmen, behalten

Themenverwandte Artikel

Luxus auf Amerikanisch

the kasaan times

Kultmobil Kabinenroller

the kasaan times

Der neue ID. Buzz: Perfekter Begleiter in der digitalen Welt

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*