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Die Jeans-Story

Von der Goldgräberhose zum It-Piece :  Die Jeans-Story

(hm)

Wir schreiben das Jahr 1847. Alle, die sich ein besseres Leben jenseits des Ozeans erhoffen, buchen Schiffspassagen nach New York. Der Deutsche Jude Löb Strauss, Sohn des Straßenverkäufers Hirsch Strauß aus Oberfranken lebt mit seiner Familie schon ein paar Jahre hier und ist dabei, ein Warenhaus aufzubauen. Vor allem der Handel mit Stoffen und Textilien floriert.

Auf einer Reise in das vom Goldrausch geprägte San Francisco erkennt er den Bedarf der rauhen Pioniere und macht dort einen Handel mit allem auf, was ein Goldschürfer braucht, und das ist vor allem strapazierfähige Kleidung. Besonders die durch Werkzeuge oder versteckten Goldfunde stark strapazierten Taschen sind schnell zerschlissen.

Zunächst läßt Strauß die Arbeitshosen aus den mitgebrachten braunen Zeltplanen nähen. Bald aber werden diese zwar festen aber für Kleidung weniger geeigneten Stoffe durch Baumwolle aus Genua  ( französisch Gênes ) ersetzt, die in Nîmes verarbeitet wird . Dabei wechselt man schon nach kurzer Zeit von der tradierten einfachen Leinwandbindung zur viel strapazierfähigeren Köperbindung, die man an ihrem schrägen Fadenlauf erkennt.

Aus dem „serge de Nîmes“ (Gewebe aus Nîmes) wird dann Denim.  Gênes (Genua), die Herkunft des Rohstoffes, wird zu Jeans.  Der Name Denim Jeans für die neuen strapazierfähigen Baumwollhosen ist geboren.

Aber das entscheidende Detail fehlt noch. Jacob Davis, ein nicht sehr vermögender Schneider, der ständig ausgerissene Taschen flicken muss, kommt auf die geniale Idee, die Schwachstellen der Jeans mit Nieten für Pferdegeschirre zu verstärken.

Weil er aber für das gewünschte Patent kein Geld hat, tritt er mit seiner Erfindung an den sich seit seiner Einbürgerung Levi Strauß nennenden Textilfabrikanten heran. Dieser erkennt schnell das Potential und bietet Jacob Davis eine Kooperation an. Das Patent für die neuen Waistoveralls (Latzhosen) mit Nietenverstärkung wird auf beide angemeldet.

Im Jahr 1873 ist es so weit: der Vorläufer der heutigen Jeans  ist patentrechtlich geschützt. Durch die aufkommende Indigofärbung in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts kommt dann der Begriff Bluejeans auf, typisch sind die orangenen Doppelnähte.

In den 30er Jahren löste dann der Gürtel die Hosenträger ab. Die Jeans erhält ihre heutige Form.

1948 werden von der L. Herrmann Kleiderfabrik in Künzelsau die ersten Jeans in Europa hergestellt, die Kleiderfabrik nennt sich zehn Jahre später in Mustang um.

1953 erst wagt man ein Damenmodell anzubieten, noch mit dem Reißverschluss auf der linken Seite.

Im Deutschland der 50er Jahre gelten die sog. „Texashosen“ als Sinnbild der Revolution und des Aufbegehrens der jungen Generation gegen das Establishment, von den Eltern nicht selten als Ausdruck gewalttätiger Unreife und mutwilliger Herausforderung angesehen.  Die Jugendidole Marlon Brando und James Dean tragen nicht unwesentlich dazu bei.

Auch in der DDR sieht man das Symbol der Freiheit und des Kapitalismus nicht gerne, erst in den 80er Jahren werden die ersten Jeansmarken wie Boxer oder Wisent produziert.

Heute sind gepflegte Jeans bürotauglich, aus keinem Kleiderschrank mehr herauszudenken. Es gibt sie in vielen Farben und Waschungen, mit und ohne Löcher, vom hautengen skinny-Schnitt bis zu den weiten Beinen im  Marlene-Stil, von knöchel- bis fußbodenlang, high- waist und low-waist.  Alle Star-Designer haben das Kleidungsstück für sich entdeckt und bringen eigene, sündhaft teure Kreationen auf den Markt. Der Allzeitklassiker bleibt jedoch die gute alte Levis 501 mit den Nietenknöpfen und der Watch-Pocket, auch wenn die Taschenuhr längst durch Kleingeld oder einen USB-Stick ersetzt worden ist…

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