Bücher

Die Farm der Tiere von George Orwell

(mm)

Wir leben heute in Europa in Zeiten des Krieges und fragen uns mit Blick auf den Aggressor, wie dieses Riesenreich tickt. 

Wie es funktioniert und was es zusammenhält und vor allem, wie es dazu kam. Wie erklärt man eine Diktatur und wie hätte man sie verhindern können?

Die beste Antwort gibt uns George Orwell in seinem im Jahr 1945 erschienenen Buch, in dem er seine Kritik am Stalinismus der damaligen Sowjetunion als Parabel zum Ausdruck gebracht hatte.

Ich finde, dass dieses großartige Werk in fast 80 Jahren Weltgeschichte nichts an Aktualität verloren hat, und es sollte unbedingt, zusammen mit seiner Erklärung, zur Pflichtlektüre für alle freiheitsliebenden Bürger werden. 

Im Prinzip funktionierten die verschiedenen politischen Systeme schon seit jeher immer gleich, sei es der Kapitalismus, die Monarchie oder die Diktatur. Zu Zeiten Orwells war es Gegenwart, für uns heute ist es Geschichte, aber es sollte unbedingt auch eine Warnung für die Zukunft sein. Genauso wie das zweite weltbekannte Buch des Autors „1984“, zeigt es den Weg der Gesellschaft in die wirkliche, blutige Katastrophe und die eiserne Faust, der kaum jemand darin entrinnen kann.

Es beschreibt die Unterdrückung des russischen Volkes, angefangen von Zar Nikolaus II. alias Bauer Mr. Jones, über die Auslegung der Schriften von Marx und Engels und der Verdrehung dieser durch Lenin und die Bolschewisten bis zur totalitären Diktatur. Jede Figur im Buch findet ihr Gegenstück in der realen Geschichte, sei es Stalin als Eber „Napoleon“, Molotow als kleines dickes Schweinchen „Schwatzwutz (Squealer)“ oder Hitler als Bauer „Mr. Frederick“. Jeder Aspekt der Gesellschaft findet seinen Avatar, die Intellektuellen, die Kirche, das Bürgertum, die Bauern und die Staatspolizei. Es verwundert nicht, dass „Die Farm der Tiere“ im Ostblock zur indizierten Literatur gehörte, zumal sich die herrschende Klasse in der Geschichte als Schweine wiedererkannte.  

Beim Lesen des Buches erkennen wir die Parallelen zur realen Geschichte, die uns als fiktionale Erzählung aufzeigt, wie perfide eine Diktatur ihre Gewaltherrschaft und Ideologie durch Lügen, Verdrehung der Wahrheit und Gutgläubigkeit des Volkes festigt. Der Zeitablauf findet seine genaue Entsprechung, von der Revolution, den Verschwörungen und Säuberungen bis zu den Pakten, Rivalitäten und Konflikten der Mächte. Die politischen Mitläufer finden ihren Platz, die Profiteure wie die Mafia und die Masse des beeindruckten Volkes. Auch die Opfer, deren erstes und prominentestes Mitglied immer die Wahrheit ist.    

Mit dem Buch beschreibt Orwell seine Erfahrungen im spanischen Bürgerkrieg, in dem der Stalinismus seine Maske fallen ließ und sich als ebensolche totalitäre Diktatur zeigte wie der Faschismus, den er eigentlich bekämpfte. Gewalt und Verrat der Ideale sind schon jeher das Markenzeichen aller Tyrannen und ihrer Vasallen gewesen.

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